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Verfasst am 13.06.2004 17:14:57 Uhr
Bote Krofdorf

Es war einmal vor zwei Jahren an einem frühen Frühlingsmorgen. Ich fuhr gerade durch eine kleine, feine Ortschaft im Landkreis Gießen (Ortsplan gefunden z.B. bei Lit.» http://www.stadtplan.net), in der sich Hund und Katze noch gegenseitig grüßen. Ich stoppte des öfteren wegen diverser beruflicher Verrichtungen. Es war noch stock dunkel. Im Radio spielte leise Wohlfühlmusik. So konnte man es ertragen, diesen Nachtjob. Gebremst mit Fuß und mit Hand, die Ware in die Hand, die Tür geöffnet, hoch vom Fahrersitz, zum Glück war es heute nicht glatt unter den Füßen, denn es ist Frühling!! Zuerst nach links geschaut, nach rechts geschaut, kein Auto weit und breit zu sehen, keine Menschenseele, die die Scheiben kratzt oder an der Jalousie zurrt oder kein Hund der bellt oder Hahn der kräht. Nein, es ist still! Windstill!
Über die Straße geschlurft, das Hoftor aufgemacht, leise quietscht es, doch sehr leise, denn es ist gut geölt vom Hausbesitzer und es ist Frühling!!

Langsam nur rutscht die Ware in den Briefkasten, als habe er seinen Inhalt vom Vortag noch nicht verdaut und sei noch nicht wieder aufnahmefähig. Man hilft ja gerne etwas nach, wenn's dann gut honoriert wird. So, nun wieder zurück zum Auto, bevor der Motor den ganzen Tank im Leerlauf versäuft. Ach bald bin ich fertig mit der Tour, es fehlen nur noch ein paar Kunden in diesem totenstillen Nest. Was wäre, wenn mir jetzt was passierte? Würde man mich heute oder morgen finden mit einer Panne? Wenn doch endlich ein Handy mit Lunarstrom erfunden würde, das auch im Dunkeln noch genug Saft zum Notruf abgäbe. Ja, das Auto steht noch da, das Hoftor fällt leise ins Schloss. Es hätte ja die Handbremse nicht fest genug angezogen worden sein und sich das Vehikel aus Langeweile auf den Weg gemacht haben können? Und dann? Es ist Frühling!!

Endlich wieder Platz genommen auf dem ausgewätzten Fahrersitz, in dem die Heizdrähte schon vom vielen Ein- und Aussteigen die Funktion des Federkernes übernommen haben. Sie haben schon so manchen Hosenboden verrissen. Aber was soll's: es ist Frühling! Und es ist dunkel! Dies nennt man ABM für Hochqualifizierte in Deutschland. Wenn ich doch Zeitungsbote oder Milchmädchen oder Brötchenjunge gelernt hätte, dann könnte ich mich endlich zur Meisterprüfung anmelden. Denn Handwerk hat goldene Zeiten. Aber welch ein Bürger in der kleinen, feinen Ortschaft will denn morgens frische in Zeitungspapier gewickelte Milchbrötchen mit Salami vor die Haustür, ja gar vielleicht schon auf dem Nachttisch serviert bekommen? Oder wie hätten Sie's denn gern, mit Käse oder mit Marmelade? Und die Wohlfühlmusik spielt zum Wohlfühlen. Herrlich! Und die Fahrertür zugeknallt! Oh, nicht so laut, denn die Leute schlafen noch! Ja, so jetzt wieder die Kupplung getreten, den ersten Gang eingelegt, die Handbremse gelöst, dabei immer gleichzeitig in die drei Spiegel geschaut, ob nicht irgendwo ein erstes Licht durch die Dunkelheit eilt mit einem verschlafenen Fahrer auf dem Weg zur Arbeit. Es eilt nicht! Dann kann's ja weiter gehen.

Oh, Schock! Was hab ich vergessen, was übersehen, träume oder phantasiere ich. Da war doch was! Mir läuft das Kribbeln von den Schultern bis zu den Füßen, als wenn man friert und Grippe bekommt. Der Atem stockt! Was war das? Gleich wieder. Das kann doch nicht sein? Es ist, als ob mir jemand auf die Schulter klopft. Es ist dunkel, und es ist Frühling! Ja, aber Du bist doch allein auf weiter Flur in der kleinen, feinen Ortschaft im Landkreis Gießen. Ist das ein Überfall, gar eine Entführung mit Todesfolge? Wird das ein Raub? Was werden morgen die Zeitungen berichten? Wird sich das jemals kriminaltechnisch klären lassen, was da passiert ist? Mitten in der Nacht? Warum ausgerechnet an diesem Ort? Wer ist Zeuge? Wo haben Sie zuletzt gesehen... ? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten... ! Unsachlichen Hinweisen wird sofort nachgegangen!

Wahnsinn! Und wieder dieses Klopfen auf die Schulter. Vorsichtig verdrehe ich meine Augen. Im Dunkel des Autoinneren muss doch irgendjemand zu sehen sein. Das kann doch kein Traum sein. Das darf doch kein Traum sein. Die Straßenverkehrsordnung verbietet einem Fahrer, während der Fahrt im Auto zu träumen! Oder ist es schon der Sekundenschlaf wegen Übermüdung mitten in der Nacht? Nein da ist es wieder, das Klopfen auf meine Schulter. Oh meine Nerven!! Oder ist sind es Salzeimer und Parkingson? Ja wie heißt es so schön, morgens wirst Du fünfzig und abends merkst Du's. Aber schon in so jungen Jahren. Auch Säuglinge haben bereits Schlaganfall bekommen. Soll es geben! Tja? Aber gesagt hat auch noch keiner "Schlüssel her!" oder "Du machst jetzt genau das, was ich Dir sage!" Und man lebt ja noch, an diesem Frühlingmorgen! Aber wie!

Soll ich jetzt einfach losfahren und so tun als störe mich meine Schulter nicht? Es ist doch nichts zu sehen! Ach und die Wohlfühlmusik hab ich vor Schreck garnicht mehr gehört. Jetzt aber kurz entschlossen die Fahrertür aufgerissen und raus aus dem Auto an die frische Luft. Aber Halt! Das Auskuppeln und die Handbremse nicht vergessen! So kann es werden. Ausgestiegen! Nichts zu sehen im Auto! Die Rücksitztür aufgemacht. Wer kennt die Geschichte mit den Bremer Stadtmusikanten? Aber es war weder Esel, noch Hund zu sehen. Und kein Hahn, der kräht. Aber das hatten wir ja schon.

Ach wie süß, saß da ein kleines schüchternes Kätzchen mit funkelnden Augen voller Erwartung und Neugier. Es kauerte vorsichtig neben meiner Brottüte und bekam sie nicht auf. Denn da war Salami drauf! Kein Katzenfutter! Kein Mord! Kein Überfall! Keine Panik! Nur ein "blinder Passagier". Guten Morgen Ihr Leser! Und guten Appetit! Ihr Bote Krofdorf (dp)(0,2h(28.07.2013))
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ANMERKUNG: Da wegen der google-Suche der HTML_HEAD-Title zwischen 5 und 10 Worten lang sein sollte, wurde der ursprüngliche Tagebuchbeitrag-Titel zum google-angepasstem HTML-Head-Title erweitert.(google sei dank!)
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