Verfasst am 05.03.2011 14:47:17 Uhr Mongolische Grammatik: die Beugung (Konjugation) von Tätigkeitswörtern (Verben) Für mich als Sprachanfänger sieht es nach ersten Studien so aus, als wenn der Gebrauch im Mongolischen einfacher als im Türkischen sei, womit ich seit 4Jahren (mit Mühe!) immer noch nicht fertig bin. Es gibt (ohne Gewähr! Kann Deutungsfehler enthalten! Sortierung/Verlinkung unvollständig):
Meistens ist nur die Infinitivform in Wörterbüchern gelistet. Man erkennt sie am endständigen "х" (ausgesprochen: "kh"), dem ein Vokal vorausgeht:
Mein Beispielverb "олох" (mon.) kann "finden" (dts.) heissen. Sein Verbstamm lautet "ол-", weswegen beim Infinitiv das "-о" als Füllvokal vor dem endständigen "-х" angefügt wird.Ob sich diese Infinitivform sprachevolutionsmäßig selbstständig entwickelt hat oder von den so gesprochenen "-mak" bzw. "-mek"-Formen der Turksprachen inspiriert worden ist oder diese inspiriert hat, indem das "m" durch die Gobihitze ausgetrocknet oder durch die sibirischen Kälte eingefroren ist, darüber darf wild spekuliert werden. Vielleicht hat auch ein Turkstämmiger dem Mongolen ein "-mok" zugerufen und durch den Steppenwind hat der Mongole nur ein "-ох" verstanden? Der Imperativ (die Befehlsform) entspricht dem Verbstamm. Nach Lit.1» und Lit.2» werden verschiedene Intensionen des Imperativs meistens ebenfalls durch lautharmonische Suffixe dargestellt:
Fülllaute sind rot,fett markiert (*) auf eine alternative Codierung mit Hilfe von ɵ wurde verzichtet L?» = Kurzform für Lit.?» (T3) = Lautharmonik gemäß tabellierter Zuordnung T3 1P = Wunsch der 1.Person "lass mich ... (tun)!" 2P = Wunsch/Befehl/Bitte/Ermunterung usw. an 2.Person "tue du ...!" 3H = Hoffnung an 3.Person "hoffe(ntlich), es geht/tut/macht ... (es)" 2E,3E = Ausschluss-Empfehlung an 2./3.Person "es empfiehlt sich, ... nicht zu tun/zu unterlassen" oder "es empfiehlt sich nicht, ... zu tun" 2S = Segen(s-/)Gruß an 2.Person "tue ... mit Gott!" 3A = Wunsch an 3.Person "tue IHM/IHR ... !" Zu meinem Beispielverb gibt es nur eine mongolische ImperativformBis auf Ausnahmen, die aus dem Altmongolischen ableitbar sind und separat gelernt werden müssen, wird die Präsens-Verlaufsform wie folgt gebildet: falls der Verbstamm ...
Zu meinem Beispielverb ist die VerlaufsformDas (deutsche) Partizip Präsens entspricht in ihrer übersetzten Form der mongolischen Präsens-Verlaufsform. Vergleiche hierzu das Präsens Continuativo. Partizipien sind formal Verbalnomen und können wie Adjektive dekliniert werden. Zu meinem Beispielverb ist die Präsens-VerlaufsformDas Partizip (Fortsetzungs-)Präsens Continuativo (Lit.»2) entspricht in ihrer übersetzten Form dem deutschen Partizip Präsens. Vergleiche hierzu die mongolische Präsens Verlaufsform. Mögliche lautharmonische Suffix-Formen können sein:
Zu meinem Beispielverb müsste das Partizip (Fortsetzungs-)Präsens lauten:Der Habituale Präsens für wiederholte, regelmäßig immer wiederkehrende Tätigkeiten kann durch Anhängen von folgenden lautharmonischen Suffixen (nebst lautharmonischer Fülllaute) gebildet werden: "-г" bzw. "-д?г"
Zwei Beispielverben: Das Präsens-Futur (Imperfektiv): das erzeugende Suffix folgt einer vierzähligen Lautharmonie und wird an den Verbstamm angehängt. Ob die Tätigkeit jetzt oder in Zukunft passiert, hängt vom Zeitattribut (z.B. heute, morgen) ab. Es gibt:
Für mein Beispielverb lautet die imperfektive Präsensfutur-FormDas Präsens-Futur (Perfektiv): hierzu listet Lit.1» nur einen lateinschriftlichen Suffix "-laa". Vermutlich ist diese "-laa"-Form für eine Tätigkeit im Futur reserviert, während die anderen Suffixe "-lee, -loo" (nach Lit.2») für eine andere Zeitform gelistet sind (siehe unter 'Selbsterlebte/Bezeugte Vergangenheit' zitierter Suffix "-lee"). Also muss ich hier noch Daten sammeln (#1):
Zu meinem Beispielverb könnte das Perfektive Präsensfutur lauten:Das Partizip Perfekt ordnet Lit.1» unter dem Begriff 'Partizip der Vergangenheit' oder Perfektiv ein und verwendet als lexikalisches Suffix lateinschriftlich "-san". Hierfür bleibt mir mangels einer zuverlässigen Grammatikvorlage nur das Sammeln von weiteren Daten. Mögliche Suffixe sind:
Zu meinem Beispielverb ist das Partizip Perfekt(Aktiv)Es gibt im Mongolischen eine "Bestimmte Vergangenheit", die eine kürzlich abgeschlossene Tätigkeit ausdrückt und mit dem deutschen Imperfekt vergleichbar ist. Sie wird hautpsächlich im Geschriebenen Mongolisch oder bei Fragen (nach Lit.2»(S.42+43;PDF-S.23)) verwendet. Es gilt: falls der Verbstamm ...
Zu meinem Beispielverb ist die Bestimmte Vergangenheit/der ImperfektDie Selbsterlebte/Bezeugte Vergangenheit kennt man schon aus der Türkischen Grammatik als 'Augenzeugenberichts-(-di-)Vergangenheit' her. Nach Lit.2» wird ein Suffix "-lee" aufgelistet. Ob er lautharmonisch variiert oder ob es mehrdeutige Suffixe oder Deutungsprobleme der Vorautoren gibt, ist noch unklar (siehe unter 'Perfektive Präsens-Futur-Form' zitierter Suffix "-laa"). Hierzu sind noch weitere Daten zu sammeln (#2):
Zu meinem Beispielverb könnte die Bezeugte Vergangenheit lauten:Die Nichtbezeugte (Erzähl-/Märchen-) Vergangenheit (ital.: 'preterito non testimoniato') kennt man schon aus der Türkischen Grammatik her als die 'Nichtaugenzeugenberichts-(-miş-)Vergangenheit'. Nach der ital. Lit.2» wird ein Suffix "-jee" aufgelistet. Ob er lautharmonisch variiert, ist noch unklar. Hierzu sind noch weitere Daten zu sammeln.
Zu meinem Beispielverb könnte die Nichtbezeugte VergangenheitEs gibt auch eine Perfekt-Verlaufsform (nach Lit.2»). Offensichtlich folgen diese Suffixe einer lautharmonischen Regelung. Doch ist hierzu noch Datensammlung nötig:
Zu meinem Beispielverb könnte die Perfekt-Verlaufsform heissen: "олоод байна" (mon.) = "gefunden seiend" (dts.)Es gibt auch eine Modale Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Hier muss man sich von gewohnten deutschen Modalformen von Verben verabschieden. Bisher kannte ich nur die Modal-Konstruktion mitsamt der Hilfsverben 'dürfen, können, müssen, sollen, wollen', wie z.B. "ich will schreiben" (ohne "zu" vor dem Infinitiv). Nun aber erlaubt vermutlich der freie mongolische Modalmarkt Verbkombinationen mit 'sitzen' und jedes beliebige andere Verb ausser dem Hilfsverb 'sein' als Modalform. Ungeklärt ist noch, ob diese Verben nur deswegen erlaubt sind, weil sie die uns gewohnten Hilfsverben ersetzen können. In manchen indoeuropäischen Sprachen werden auch modale Hilfskonstruktionen mit "gehen" als Ersatz für "werden" verwendet. Das ist ja spannend. Das erzeugende Suffix ist das endständige "-н". Gegebenenfalls geht ihm ein lautharmonischer Füllvokal voraus, deren Regelung noch unbekannt ist. Hier ist weiteres Datensammeln nötig.
Zu meinem Beispielverb könnte die Modale Präsens-Verlaufsform heissen: "олон болно" (mon.) = "mache-e(n)/-t/-st findend" (dts.)Eine Modale Vergangenheits-Verlaufsform ist zwar nicht dokumentiert, aber eigentlich trivial. Es bedarf nur einer indikativen Vergangenheitsform beim Modalverb und der Rest ist wie bei der Modalen Gegenwartsverlaufsform (s.oben). Eine mögliche google-Fundstelle zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Konditionale Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Diese Lit. berichtet auf Seite 47 (PDF-Seite 25) auch vom Suffix "-бол". Hierfür fehlen noch Beispiele. Also müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffix sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Eine Konditionale Vergangenheits-Verlaufsform ist zwar nicht dokumentiert, aber eigentlich trivial. Es bedarf nur einer indikativen Vergangenheitsform beim Modalverb und der Rest ist wie bei der konditionalen Gegenwartsverlaufsform (s.oben). Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Terminale Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Um sich eine Merkregel für diese typisch mongolische Verbform einzuprägen, möge man sich an folgenden deutschen Spruch erinnern: Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.Wenn man diesen Spruch atomisiert, in seine Einzelbestandteile zerlegt, dann ist "geht" und "bricht" die gleiche deutsche Zeitform, der Präsens. Im Mongolischen (und evtl. auch im Türkischen noch unerledigt) ist es aber anders. "bis er bricht" ist ein Nebensatz am Satzende, also syntaktisch terminal. Auch die Handlung "bis er bricht" ist eine Abschlusshandlung, weil danach der Krug (vermutlich ein Roboter-Krug?) nie mehr zum Brunnen geht. Im Deutschen wird diese terminale Handlungssituation durch die Präposition "bis" eingeleitet. Möglicherweise können dies auch andere Präpositionen (noch unklar). Anstatt dieser Präposition "bis" oder einer vermuteten mongolischen Postposition tritt ein lautharmonisches Suffix an den Verbstamm. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche Suffixe sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Komparativ-Simultane Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»), welches durch die Wortfolge "während es gerade AAA macht, da tut es gleichzeitig BBB" oder "während Du noch an der Lösung dieser Aufgabe herumgrübelst, bin ich längst schon fertig." oder "während Du noch lamentierst, in der Zeit hat meine Großmutter noch Kinder bekommen". Diese Beispiele mögen genügen. Es geht also um die Suffixierung der Präposition "während" an das mongolische Verb. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffixe sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Sukkzessive Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Analog zur oben beschriebenen Simultanen Verlaufsform geht es hier um die Suffixierung der Präposition "nachdem" an das mongolische Verb. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffixe, denen noch ein Füllvokal vorgestellt sein kann, sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Kontemporale Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Analog zur oben beschriebenen Simultanen Verlaufsform geht es hier um die Suffixierung der Präposition "wenn/als/sobald" an das mongolische Verb. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffixe sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Kontemporale Vergangenheits-Verlaufsform ist zwar nicht dokumentiert, aber eigentlich trivial. Es bedarf nur einer indikativen Vergangenheitsform beim Modalverb und der Rest ist wie bei der kontemporalen Gegenwartsverlaufsform (s.oben). Mögliche google-Fundstellen zu zwei Beispielverben sind:Es gibt auch eine Atemporale Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Analog zur oben beschriebenen Simultanen Verlaufsform geht es hier um die Suffixierung der Präposition "(um) weiter zu" bzw. "seitdem" an das mongolische Verb. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffixe sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist:Es gibt auch eine Konzessive Präsens-Verlaufsform (nach Lit.2»). Analog zur oben beschriebenen Simultanen Verlaufsform geht es hier um die Suffixierung der Präposition "obwohl, trotzdem (dass), obgleich" an das mongolische Verb. Hierzu müssen noch Daten gesammelt werden. Mögliche lautharmonische Suffixe, denen noch ein Füllvokal vorgestellt sein kann, sind:
Ein möglicher google-Fundus zu meinem Beispielverb ist: ... ab hier unfertige Überarbeitung ... Der Kausativ kann mit Hilfe der Verbstamm-Anfügung der Suffixe "-иул" (bei Stammauslaut "...и") "-үүл" "-уул" gebildet werden. Der Kausativ von "sehen" (dts.) = "үзэх" (mon.) lautet "үзүүлэх" (mon.) = "zeigen" (dts.) Dagegen wird der Kausativ aus "болох" (mon.) = "werden" (dts.) lediglich durch Einfügen von "-г" zu "болгох" (mon.) = "machen" (dts.) erzeugt. Ob es lautharmonisch weitere Suffixe gibt, ist noch unklar. Kausative Verbformen (z.B. liegen, lernen, sich vorstellen, fotografieren, sehen) sind die 'eine Tätigkeit vermittelnden Verbformen' (z.B. legen, lehren, vorstellen, sich fotografieren lassen, zeigen). Ebenfalls einer vierzähligen Lautharmonie folgt ein Kooperativ-Suffix, welches an den Verbstamm angehangen wird, falls etwas in einer Gruppe geschieht. So unterscheidet man "wir haben gegessen"/"wir aßen" (an verschiedenen Orten) von "wir haben zusammen gegessen"/"wir aßen zusammen" (am gleichen Ort). Es gibt: "-цгаа" "-цгээ" "-цгоо" "-цгөө" Der Kollektiv wird mit Hilfe der Verbstamm-Anfügung des Suffixes "-алц" gebildet und kann ebenfalls mit "zusammen-..." übersetzt werden. Ob es lautharmonisch andere Suffixe gibt, ist noch unklar. Kollektive Verbformen sind die eine Tätigkeit (z.B. liegen, lernen, sich vorstellen) vermittelnden Verbformen (z.B. legen, lehren, vorstellen). Nach dem Studium der unfertigen online-Anleitung bei "http://sprachen.sprachsignale.de" bleiben noch viele Fragen offen, z.B.: Wird die aktive und passive Tätigkeit durch verschiedene Verbstämme oder durch verschieden Suffixe gebildet? Im Deutschen lautet zum Verb "finden" (mon.: "олох") die Passivform "gefunden werden". Nach PONS/MONSUDAR 'Basiswörterbuch Deutsch-Mongolisch/Mongolisch-Deutsch' wird an den Verbstamm "ол" ein "-д" angehängt und dadurch das Passiv erzeugt. Die lexikalische Passiv-Infinitivform lautet: "олдох" (mon.) = "gefunden werden" (dts.). Bei einem anderen Verb "nutzen" (dts.) = "ашиглах" (mon.) lautet der Stamm nicht auf einen Konsonanten, sondern auf dem Vokal "а" aus. Hieran fügt sich bei der Passivform "genutzt werden" (dts.) = "ашиглагдах" (mon.) das Suffix "-гд". Ob es lautharmonisch weitere Suffixe gibt, ist noch unklar. Die Bestimmte Vergangenheit/der Imperfekt im Passiv für "finden" lautet: "олдов" (mon.) = "wurde/wurden/wurdet/wurdest gefunden" bzw. "bin/bist/ist/seid/sind gefunden worden" (dts.) Die Bestimmte Vergangenheit (Passiv): Zu meinem passiven Beispielverb ist die Bestimmte Vergangenheit/der Imperfekt (aktiv) bzw. zum aktiven Beispielverb ist die Bestimmte Vergangenheit/der Imperfekt (passiv)Manchmal wird eine aktive Form durch den Kausativ und einen passive Form durch den Nichtkausativ ausgedrückt. Linksammler:
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