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Verfasst am 09.03.2010 20:15:37 Uhr
Unterschiede zwischen den Turksprachen: die Verb-Verlaufsform 'Infinitiv'

Ich stelle mir vor, dass sich Ursprachen aus einzelnen Lauten entwickelt haben. Da war vielleicht erst ein Wehklagen und Schreien, ein Lachen, ein Husten, ein Jodeln, usw. Irgendwann kam ein anderes Individuum, seinen Artgenossen zu berichten, was ihn so erregt habe. Das muss für Seinesgleichen eine wahre Deuterei gewesen sein, woraus sich evtl. frühe Formen von Kulten entwickelt haben, die zu Berufen wie z.B. Propheten und Weissagern führten und sich durch eine hohe Deutungsgabe auszeichneten. Sicherlich haben sich alle Sprachformen der Welt irgendwie weiterentwickelt, jede auf seine Art. So erscheint es plausibel, dass es Sprachen wie z.B. Chinesisch gibt, bei denen keine Beugungen von Verbformen vorkommen sollen, und doch sind die Chinesen ganz schön erfinderisch in der Imitation von sogenanntem westlichem Know-how.

Ich finde die Turksprachen geradezu als Bindeglied zwischen der chinesischen und der indogermanischen Grammatik-Logik. Vielleicht hat sich die indogermanische schneller weiterentwickelt und die turksprachliche hat wegen des Nomaden-Charakters seiner Völkerschaften einen sprachlichen Entwicklungsstand "eingefroren". Zum Beispiel könnte in einer frühen Sprachstufe sich das Verb als solches noch nicht von den sogenannten Substantiven differenziert haben. Bei "Wir Durst" ist zunächst völlig egal, ob "wir dürsten", "wir dursten würden", "wir durst hatten" oder "wir durst haben werden". Allein durch die nonverbale Kommunikation, mit dem Krumdolch, Messer, Stock oder Knüppel wild erregt herumzufuchteln, so wie es die Araber im Jemen noch in ihrem Volkstanz konserviert haben, deutet darauf hin, dass wir es mit unserem "Wir Durst" ernst meinen und keinen Spass darin verstehen, dass wir mit dieser Äußerung richtig verstanden werden wollen. Also unser Kommunikationspartner musste es so deuten, dass im Angesicht unserer Drohgebärde "wir mächtig durst haben / durstig sind".

Wenn wir im vollbesetzten Bus einem Behinderten einen Sitzplatz anbieten wollen/sollen, sagt man noch "jemandem Platz machen". Anstatt ein "Messer schärfen" können wir ein "Messer scharf machen". Es kann also "Substantiv Adverb machen" für "Substantiv Verb" stehen. In diesem Zusammenhang finde ich es mehr als zufällig, dass beim Türkischen, Aserbaidschanischen und Turkmenischen der Inifinitiv durch Anhängen des Suffix '-mak' oder -'mek' gebildet wird.

Beim Kasachischen dagegen wird der Verbinfinitiv durch das Suffix '-w' (in Lateinschrift) bzw. '-у' (in Kyrillschrift) geformt.

Und wie sieht es bei den anderen Turksprachen aus?
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