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Verfasst am 06.02.2010 19:45:45 Uhr
Vom Hundertsten ins Tausendste: vom Übersetzen zur Namensforschung

Irgendwie habe ich keine Zeit und nehme mir davon welche. Wie geht das? Genauso wie mit dem Geld: man hat keines und nimmt sich welches. Gestern hatte ich beim Überarbeiten des Kroatisch-Vorschlages entdeckt, dass ich aus der unsicheren englischen Fassung keine sicheren anderssprachigen Texte produzieren kann. Der deutsche Satz war und ist ein Schachtelsatz und war mir vor Jahren einfach zu lang zum Übersetzen. Also zerlegte ich ihn in zwei selbstständige Teilsätze. Die Folge war, dass es im ersten Satz zwei Hauptwörter im Plural gab, wobei "aus den Lösungen ... Spektren gewonnen wurden". Die Telefonstory von "Sie haben gewonnen!" hängt mir noch an! Im nächsten Teilsatz stand dann geschrieben, es seien "Substanz_1, Substanz_2, usw. ". Natürlich war gemeint, dass es Spektren der namentlich gelisteten Substanzen waren, obwohl natürlich diese Substanzen auch Bestandteil der Lösungen waren.

Nun ist mir gelungen, bereits eine Vielzahl von Übersetzungen so zu formulieren, dass der deutsche Schachtelsatz in einen fremdländischen Schachtelsatz überführt wird. Dadurch wird die unsichere Textstelle beseitigt. Entdeckt habe ich dabei, dass "nämlich" in vielen Wörterbücher hauptsächlich mit "selbst" gleichgesetzt wird. Im Deutschen sagen wir: "ich habe dass nämlich selbst gemacht". Keiner kommt aber auf die Idee zu sagen: "ich habe es selbst selbst gemacht." - Eher schon: "das habe ich ganz selbst gemacht." oder: "das habe ich ganz alleine gemacht."

Bei der Übersetzung in die germanischen Sprachen braucht man sich da keinen Kopf zu zerbrechen, denn es gibt 1:1-Übersetzungen.

Mich erstaunt, dass der gesuchte Begriff
"nämlich" (dts.) = "δηλαδή" (gr.; sprich: "diladii")
im deutschen Teil des 'PONS Handwörterbuch Griechisch' genau in jener Weise, wie er in meiner Textstelle benötigt wird, z.B.: "es hat jemand 3 Kinder, nämlich 1 Bube und 2 Mädels" gelistet ist. Dieses Adverb ist im griechischen Teil des PONS wie folgt gelistet:
"δηλαδή", [Akronym:] "δηλ." (gr.) = "also", "das heisst", [Akronym:] "d.h." (dts.)
Da habe ich wieder etwas dazugelernt: "nämlich" ist auch Synonym für "das heisst".

Über das Russische finde ich ein weiteres Synonym für "nämlich", und zwar im 'Langenscheidt Handwörterbuch Russisch'. Dort steht:
"а именно" (rus.) = (wfw:) "und" + "genau!", "richtig!", "gerade", "eben", "ausgerechnet" (dts.) = "nämlich", "und zwar" (dts.)

Das Problem tritt auf, falls man in eine romanische Sprache übersetzen möchte. Da kann man sich manchmal an den sogenannten Kopf fassen, wenn man nicht gerade kopflos ist. Es fällt bei diesem Wörterbuchstudium nämlich auf (hier würde ich aber "nämlich" eher mit "bezeichnenderweise" oder "namentlich" oder "signifikant" synonymisieren), dass "selbst" keinen rechten Sinn macht: "es wurden Spektren produziert, nämlich solche: Substanz_1, Substanz_2, usw. - Genauso ist es, wenn jemand nach einem Erlebnis gefragt wird, und er fängt an: "die Geschichte geht nämlich so: ..." In diesem Sprachfall ist "nominal" zumindest in den romanischen Sprach-Variationen eine gute Alternative, denn es wird mit dem "nomen" etwas "benannt", "bezeichnet", "umschrieben", usw. .

Dann kamen mir plötzlich die Begriffe "cotschen nominal rot" in den Sinn. "cotschen" ist rätoromanisch und heisst "rot". Hm! Die Farbe "Rot" entsteht oft beim Bräunungsprozess (Oxidation) von Wurzeln. Wenn Bäume mitsamt der Wurzeln aus dem Erdreich genommen werden, nennt man es "Roden" und hierauf verweisen Namensteile von Ortsnamen noch heute wie "-rode", "-roda", "rödgen", "-reut(h)", "-reith" usw. ...

Und nun regt "Kotschenreuther" in all seinen Schreibvariationen zum Nachdenken an. War es einst ein Doppelname "Kotschen-Reuther", wobei sowohl "Kotschen" als auch "Reuther" sich auf "Rot", "Roden", "Entwurzeln" beziehen? Vielleicht war früher ein "Reuther" im rätoromanischen Sprachgebiet ein "Kotsche" und hat je nach Auftragslage und Arbeitsbedarf so oft die Sprachgebiete gewechselt, dass ein Auftraggeber nach dem "Reuther" und der andere nach dem "Kotsche" verlangte. Übrigens lief mir zu Beginn meines Studiums auch ein "Kotschenreuther" über den Studienweg. Freund Dietrich findet eine weitere Namensdeutung: ein "Kutschen-Reiter".

So kann man sich verzetteln. Und plötzlich ist man vom Übersetzer zum Namensforscher gewechselt:

Jetzt habe ich zum Glück mein Konzept verlegt und weiss daher nichts mehr weiter zu schreiben. (dp)(0,75h)(0,5h(07.2.2010))(0,35h(08.2.2010))
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