Verfasst
am 15.10.2008 23:53:58 UhrEin Verpackungsproblem: Milch ist nicht gleich MilchIch erinnere mich gut an die Einführung der Plastik-Schlauchpackungen vor zirka 35 Jahren. Diese Milch wurde von meinen Eltern alsbald wieder vom Speiseplan gestrichen. Grund: sie schmeckte nicht.
Eine Katze ist sehr wählerisch und ihr billigen wir es zu, etwas nicht zu fressen, wenn es ihr nicht schmecken will. Aber wir Menschen sind stolze "Allesfresser" und wundern uns, wenn wir dadurch krank werden. Ja, fast habe ich den Eindruck, dadurch sei die Wundergläubigkeit erst entstanden.
Neulich trinke ich Kaffee mit Milch (Packung_1). Dieses Getränk schmeckt mir nicht. Dabei ist die Milch weder sauer, oder im Kaffee geronnen. Eine andere Milchpackung wird geöffnet und es wird gerochen. Tatsächlich riecht die andere Milch aus Packung_2 besser und auch der Kaffee schmeckt logischerweise damit besser. Beide Milchpackungen kommen aus der selben Molkerei, beide 1,5% Fett-Milchsorten sind noch wochenlang haltbar, erst vor wenigen Tagen gekauft.
Vor Wut werden beide Milchpackungen geleert und zwecks Verbraucheranalyse zerlegt.
- Packung1: die Milch sei nach dem Öffnen alsbald zu verbrauchen, wird gewarnt. Also kennt auch der Hersteller das Problem.
- Beide Packungen sind Faltkartone mit einem Kunststoff-Schraubverschluss
- die Aluminiumschicht als Wärme- und Feuchtigkeitssperre ist innen zur Milch hin noch mit einer Kunststoffschicht überzogen
- Packung1: die schlechtschmeckende Milch entstammt einer Packung aus Recycling-Papier, die innenseitige Kunststoffhülle erscheint dicker als in der anderen Packung und nachträglich nach der Kartonierung und vor der Abfüllung in den Karton-Schlauch eingefügt.
- Packung2: vermutlich ist die innenseitige Kunststoffhülle bei der gutschmeckenden Milch bereits vor der Kartonierung und Abfüllung mit dem Papierträgermaterial fest verbunden, scheint dünner zu sein, was Vorteile bei der Faltung verspricht.
- Packung1: die Kunststofföffnung der schlechtschmeckenden Milch ist anscheinend bereits in den Karton so integriert, dass an dieser Stelle (nur vom Packungsinneren her sichtbar) die Milch mit dem Recyclingpapier in Kontakt treten kann. Es erscheint möglich, dass durch Luftaustausch die Fettmoleküle dieser Milch (auch bereits im Kaufhausregal) vorzeitig oxidieren können, denn dieser Prozess findet auch bei kühlen Temperaturen statt.
- Packung2: bei der gutschmeckenden Milch erscheint durch die geschickte andere Faltung der Karton-Innenraum besser gegen Luftoxidation durch Gaszutritt abgeschirmt und möglicherweise benötigt diese Faltung keine zusätzlichen Weichmacher (Chemikalie, Temperatur) für das Einbringen des Kunststoffs vor dem Abfüllprozess.
- Packung2: bei der gutschmeckenden Milch muss beim Öffnen der Kunststofftülle der hermetisch abgeschlossene Milchraum erst durchstoßen werden. Erst danach kann die Oxidation durch Luftzutritt beginnen.
- Packung1: die Herstellung der schlechtschmeckenden Milch scheint kostengünstiger zu sein, zum einen weil Recyclingpapier genommen werden kann, zum anderen weil theoretisch diese Kartonierung in einem Billiglohngebiet durchgeführt werden kann und erst kurz vor der Abfüllung der Pappkarton mit dem Kunststoff ausgekleidet werden muss.
Endergebnis: zukünftig sollte ein Blick ohne Brille von außen an die Packungsunterseite dieser Getränkekartons genügen (bevorzugte Faltung: [.|.], zu vermeidende Faltung: [X]), um so einkaufen zu können, was mir auch schmeckt, hofft der Nach(t)kontrolleur. (dp)(0,8h)
archiviert (tbid2533.506): (dp) 30.06.2009 (+0,1h (+flagcounter +home.icon +w3c_LiCh ))