Verfasst am 05.09.2008 15:35:24 Uhr Linguistische Diathese von Verben: Lateinisch Isländisch Aktiv Passiv Reflexiv Mund Münze Keiner weiß alles, auch ich nicht und Bücher sind wie Lehrmeister, wenn sie nicht voneinander abgeschrieben wurden. So kam es, dass ich mir naiv, wie ich immer bin, vor über einem Jahr dachte, falls in der isländischen Grammatik eine Bezeichnung (Germynd) mit "aktiv" übersetzt werde, würde eine zweite publizierte Form (Miðmynd) wohl das Antonym (=Gegenteil) von "aktiv", nämlich "passiv" sein. Doch "weit gefehlt" (= "voll daneben"). Inzwischen habe ich entdeckt, dass die zweite Form mit "reflexiv" übersetzt wird. Also "reflexiv" als Gegenteil zu "aktiv"??? Wikipedia erklärt (und rügt dabei gerade seine Autoren wegen angeblich fehlender Allgemeinverständlichkeit), dass es einen linguistischen (also sprachwissenschaftlichen) Begriff der Diathese ( = Bedeutungsebene (Semantik), bzw. Handlungsrichtung der Wörter) gibt. Bei der Diathese von Verben können nicht nur zwei Arten, sondern mindestens fünf Bedeutungsebenen existieren:
In Ergativsprachen soll z.B. die Übersetzung von diesem Satzbeispiel für Brüller unter den Schülern sorgen: "Der Lehrer begrüßte die Klasse und begann mit dem Unterricht", weil in der Ergativlogik es bedeuten würde: "Der Lehrer begrüßte die Klasse und dann begann die Klasse mit dem Unterricht (vermutlich des Lehrers)". Da muss man ja höllisch beim Übersetzen aufpassen! Der lateinische Ausdruck "Petra movetur" lässt sich nach Wikipedia in zwei Weisen übersetzen:
Man muss beachten, dass reflexive Verben keinen "Passiv" bilden können (Lit.»), in Ergativsprachen ist ein Passiv völlig unbekannt und muss auf andere Weise ausgedrückt werden. Nonsens (= sinnlos, ohne Sinn) im Falle der Steinbewegung wäre im Deutschen folgender Passiv: "Der Stein wird durch sich selbst bewegt". Absoluter Nonsens im physikalischen Sinne gemäß "actio gleich reaktio": "nachdem der Stein durch sich selbst bewegt wurde, bewegte er sich selbst" (oder umgekehrt). Nun weiss ich also, dass es in manchen Sprachen bei manchen Verbformen keinen Unterschied zwischen "reflexiv" und "passiv" geben kann. Dann entdeckte ich gestern, dass im Isländischen, anders als in den übrigen nordgermanischen Sprachen, die Bildung des Futurs oder des Passivs nicht mit einer dem Hilfsverb "blev" (vermutlich die Urform von engl. "to be") ähnlich klingenden Bezeichnung geschieht, sondern dass im Isländischen hierzu das Hilfsverb "munu" verwendet wird. Das Langenscheidts Universal-Wörterbuch übersetzt es mit "werden". Da aber einige der Verbzeitformen von "munu" auch den Wortstamm "mynd" enthalten, liegt es nahe, dass man es auch synonym mit "bilden" übersetzen könnte, denn das isländische Substantiv "mynd" heisst (dts.) "Bild, Portait, Fotografie". Vermutlich
Es wäre daher
Klar wird damit, dass das Gegenteil zum Reflexiv (Miðmynd) das Flexiv wäre und das Antonym zum Aktiv (Germynd) nicht das Passiv, sondern das Inaktiv wäre. Man müsste sich vielleicht im Deutschen andere Übersetzungen für Germynd und Miðmynd überlegen, denn wenn "ich nun diesen Bericht abschließe", ist es ebenso eine aktive Handlung, als wenn "ich mich ab jetzt aus dem Tagebuch auslogge", obwohl diese dann wegen des Reflexivpronomens "mich" eine reflexive Handlung wäre. Und freenet kennt zu dieser reflexiven Verbform "Sie haben sich nicht rechtzeitig ausgeloggt" sehr wohl eine Passivform: "daher wurden Sie automatisch ausgeloggt". ![]() Tee-Time! (dp) (4h) Fortsetzung folgt archiviert (tbid2453.484): (dp) 18.5.2009 (+0,1h (+flagcounter +emoticon +home.icon +4navi)) | ||||||