Verfasst am 17.06.2008 16:44:08 Uhr Deutsche Bankenkrise infolge der US-Hauskreditkrise Fortsetzung der Finanzgeschichte v.Beitrag1 zur WDR-Sendung "Sendethema: zuviel Geld, zuwenig Moral" vom 12.6.2008, ausgeschmückt mit eigenen Gedanken. Wir haben alle mit Erstaunen aus der Presse erfahren, dass die öffentlichrechtlichen Landesbanken einiger Bundesländer fast konkurs gegangen wären. Zum Glück haben solvente andere Landesbanken sich ihrer erbarmt und diese übernommen und damit die Politikkrise regional auf Bundesländer begrenzt. Es war aus der Presse bisher zu entnehmen, dass Bestrebungen laufen, bundesländerbezogene Landesbanken zu größeren Einheiten zusammenzulegen, damit diese nicht sofort straucheln, falls sie sich wieder verspekulieren würden. Als Begründung gibt man an, dass das deutsche Bankensystem sehr zersplittert sei und daher die Gewinnmöglichkeiten vor allem im Landesbankenbereich sehr begrenzt seien. Da frage ich mich, ob dies ein Problem der Größe sei? Wäre es denn nicht viel wahrscheinlicher, dass dann die wenigen Entscheidungsträger, die den Sinn für die Größe einer Geldsumme verloren haben, leichter mit einem Vielfachen des Bisherigen spekulieren und im Crashfall ist keine andere Bank mehr da, die diese Wackelkandidaten retten kann? Dann hätten wir in Deutschland endlich wieder den Superfinanzgau und erinnern uns "gerne" an die Sprüche unserer Urgroßeltern: "wenn ich wenigstens das ganze Geld versoffen und mir etwas geleistet hätte! So aber habe ich gespart und gespart und mir nichts gegönnt und nun ist trotzdem alles hin." In diesem Zusammenhang drängt sich mir die Frage auf, was hat die US-Kreditkrise mit unserer Bankenkrise zu tun? Vor der Finanzkrise der IKB schrieb sie im Bericht von Herrn Ortseifen im Vorwort: das größte und dynamischste Geschäftsfeld seien Derivate und verbriefte Produkte. Was sucht eine Mittelstands- und Industriefinanzierer bei Derivaten und Verbrieften Produkten? Gewinnmarschen der IKB zwecks Finanzierung des Mittelstandes waren ansonsten begrenzt. Hiermit ließ sich anscheinend Geld verdienen. Verbriefte Produkte sind "Säcke von Immobilienkrediten" mit gewisser Ausfallwahrscheinlichkeit. Derivate sind "Wetten auf die Zukunft". Wenn die Wette nicht aufgeht, ist der Einsatz oder auch mehr als der Einsatz weg. Derivate können auch Risiken, die man selber hat, abdecken. z.B.: Zinsänderungsrisiko: wenn man eine Hypothek hat, von der man weiß, dass innerhalb von 30Jahren ein Risiko der Änderung der Zinsen besteht, dann will man damit vielleicht nicht leben. Oder wenn man eine Festzinshypothek bekommen hat, aber die eigene "Bank Ihres Vertrauens" ein Zinsänderungsrisiko hat, will vielleicht die Bank damit nicht leben. Also sucht man sich Leute für ein Gegengeschäft: falls man auf der einen Seite ein Risiko hat, sucht man sich auf der anderen Seite ein Gegenrisiko (Rückversicherung), so dass man vor dem Risiko geschützt ist, so in der Fachsprache eigentlich "kein Risiko hat" (100% einlagengesichert). Mit Derivaten kann man Wetten auf offene Positionen eingehen, umgekehrt aber auch die offenen Positionen schützen. Wie kommen nun beide Seiten zusammen? Sehr naiv habe ich gedacht: wenn eine US-Bank den zahlungsunfähigen US-Bürgern Kredite gewährt hat, dann hat doch sie den "Schwarzen Peter" und es trifft höchstens diese US-Bank. Da kenne ich aber das Bankenwesen schlecht. Die kreditausgebenden Bankenmanager wussten sehr wohl um das Risiko ihrer Vorhaben. Sie stehen ständig unter Strom, weil der Luxus, sich fast alles leisten zu können, wenn man nur genug Geld verdient, süchtig nach noch mehr Geld machen kann und irgendwann ist es bei jeder Sucht so, sieht man nur noch durch den Tunnelblick den möglichen Nutzen und hat für die möglichen Gefahren keinen Sinn mehr. Während der erfahrene Programmierer keinen Blick mehr für seine Softwarefehler hat, so sind die Banker möglicherweise betriebsblind vor den Gefahren im Umgang mit dem Geld. Das ist das gleiche Phänomen, als wenn das Kind dem Ball oder der Eber der Sau über die Straße nachläuft und dabei die Gefahr des Straßenverkehrs missachtet. Dies scheint eine Überlebensstrategie unseres Bewusstseins zu sein: "sieh' die schönen Stunden nur und verdränge die schlechten Erlebnisse und Gefahren!" Man meint, die Bankenbranche kenne sich mit der Gefühlsmanipulation zwischen Gier und Angst aus? Jedoch sind die deutschen Landesbankiers ebenfalls ihrer menschlichen Gier erlegen. Für mich als naiver Laie ist alles gleich: ob es Sparkonto, Sparbrief, Sparzertifikat, Obligation, Schuldverschreibung und wie auch immer das Bankenprodukt heisst, ich schaue nur auf den Zinssatz und höchstens noch auf die Laufzeit und treffe dann meine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Unsere Bankiers aber brauchen zusätzliche Entscheidungshilfen, weil sie ja Experten sind. Da die Paketprodukte so komplex sind, dass man die Risiken nicht mehr leicht durchschaut, gibt es US-amerikanische Rating-Agenturen (Wirtschaftsberatungsunternehmen), deren Aufgabe es ist, die "Ausfallrisiken über die Supprime-Kreditpakete mit Hilfe komplexer statistischer Modelle" zu berechnen und zu zertifizieren. Diese Risikostudien benutzen Daten aus der Vergangenheit, als die Kreditzinsen noch bezahlt wurden. Ein Ausspruch hat mich begeistert: "es wird mit dem Blick in den Rückspiegel die Hoffnung verkauft, dass kein LKW von vorne kommt". Da die Ausfallwahrscheinlichkeiten statistischer Art am Anfang als niederig angesehen wurden, bekamen diese Pakete auch eine hohe Bewertung "AAA" ("triple A"). Auf diese Empfehlung durch Rating-Agenturen hin haben z.B. unsere deutschen Bankiers diese Produkte erworben und dabei vergessen, dass die Bewertung die aktuellen Parameter nicht berücksichtigt. Rating-Agenturen sind ohne jedes Unrechtsbewusstsein: haben nach bestem Wissen und Gewissen die Modelle aufgebaut. Durch Neuentwicklungen hat sich das eben erübrigt. Pech gehabt! Also, die US-Banken haben ihre Forderungen zu verbrieften Kredit-Paketen zu z.B. 100Stück Hauskrediten zusammengebündelt ("bundling") und diese über Makler-Büros und dem Empfehlungszertifikat der Ratingagenturen mit Gewinnaussichten an ausländische Großbanken verkauft und dadurch ihr Forderungsrisiko an Verbindlichkeiten fast auf Null minimiert. Unsere Bankexperten haben genau diese Gewinnaussichten nicht nur erahnt, sondern in den ersten Jahren tatsächlich erlebt. Man konnte dieses Bankenprodukt in deutschen Bankfachkreisen durchaus weiterempfehlen, brauchte nicht nachzurechnen, eine "totsichere Sache". Wenn ich einen Wollteppich mit Gütesiegel kaufen möchte, dann sehe ich wenigstens bei einem mottenverfressenen bereits den Schaden und kann abschätzen, ob sich der Kauf überhaupt noch lohnt. Aber hier bei den Kreditpaketen sieht man nichts. Es gibt eine first-class-Empfehlung "AAA", und da kein Mensch alles verstehen kann und muss, gehört hier eine Portion Glauben dazu und schon läuft das Geschäft. Der Glaube stirbt zuletzt. In dieser WDR5-Sendung sagte Prof.Otte: "Hätte man nur über das Volumen nachgedacht! Bereits 2005 war es für mich extrem exzessiv" (ausfallgefährdet)." Im Jahr 2005/2006 sind immer noch mehr Kreditnehmer mit diesen US-Darlehen beglückt worden und die gebündelten Forderungen an ausländische Gutgläubiger insbesondere in Japan, Frankreich, England und Deutschland verkauft worden. Und in dem Moment, als die statistischen Ausfallwahrscheinlichkeiten anfingen, sich infolge der US-Notenbankzinsanhebung zu verändern / vergrößern / verschlechtern, sind die Preise für diese Papiere so dramatisch eingebrochen. dass die Halter dieser Papiere (z.B. einige unserer Landesbanken) diese in ihren Büchern drastisch abschreiben mussten, denn nach der Privatinsolvenz der Kleinanleger fließt nun wirklich kein Geld mehr an die neuen Gläubiger, z.B. die deutschen Großbanken wie IKB und Sächsische Landesbank. Daher leuchtet mir jetzt auch ein, warum die Aktienkurse aufgrund von Bilanzpublikationen einer besonderen Schwankung unterliegen können. Dies war das Spiel "gewiefte US-Wallstreet-Banker gegen deutsche Landesbanker". Ob ich noch über das Spiel "Landesbanker gegen Privatanleger" schreiben werde, diese Entscheidung vertage ich auf später. (dp) (4,75h) archiviert (tbid2277.442): (dp) 28.06.2009 (+0,1h (+flagcounter +emoticon +home.icon +w3c_LiCh)) | ||