DrPagel-FavIcon « »

Verfasst am 05.12.2007 15:06:45 Uhr
Grammatik im Israelisch-Hebräischen - Teil 1: Hauptwörter und Artikel

Wir wohnen in A, nennen uns B und sprechen die Sprache C. Damit google meine Artikel besser findet, habe ich dem Wort "Hebräisch" meistens das Wort "Israelisch" dazugefügt. Ebenso könnte ich einen sprachlichen Mix mit "hebrew" und "ivrit" machen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob man es nicht "ivrid", "iwrit" oder "iwrid" schreiben sollte. Ich möchte hier auch extra hervorheben, dass ich ebenso wie bei "Griechisch" keine Studien zu "Altgriechisch" hier keine Studien zu "Althebräisch" oder "biblischem Hebräisch" vorzunehmen gedenke. Dieses Feld will ich gerne den Spezialisten überlassen, die dies beruflich oder aus religiösen Gründen machen wollen oder müssen.

Es geht mir hier um die moderne Gegenwartssprache und neben meinem Türkisch-Exkurs um einen weiteren Sprachexkurs in eine nicht-indogermanische Sprache, erschwert durch die Tatsache, dass die Schrift nicht nur nicht in Lateinbuchstaben vorliegt, nein, sie ist auch noch von rechts nach links zu lesen und zu schreiben und viel schlimmer, wenn man Textbeispiele herauskopieren möchte, kann es einem passieren, dass sie im eigenen Dokument plötzlich von links nach rechts zu lesen steht, Klammern, Apostrophe und Satzzeichen erstaunlicherweise ein Eigenleben vollführen und irgendwo im Text wiederzufinden oder (nicht) zuzuordnen sind.

Auch beanspruche ich nicht perfekt zu sein, sondern möchte nur mal rudimentäre Grundlagen an Grammatik ansammeln, damit man hebräische Webseiten inhaltlich erschließen und den Übersetzungsautomaten besser verstehen kann.

Gefunden habe ich einige Informationen zu Hauptwörtern im Kauderwelsch-Band37 'Hebräisch Wort für Wort'. Dort erfährt man:
  • es gibt keine unbestimmten Artikel, sondern nur den bestimmten Artikel ה (Buchstabenname "he"), den man "ha" ausspricht und der als Vorsilbe einem Hauptwort vorangestellt werden kann. Wenn diese bestimmte Form des Hauptwortes nicht vorliegt, kann man sie z.B. ins Deutsche in die unbestimmte Form übersetzen, ergänzt um einen unbestimmten Artikel. Umgekehrt fällt beim Übersetzen aus dem Deutschen ein unbestimmter Artikel einfach weg.
  • es gibt zwei grammatikalische Geschlechter: zuerst die Ausnahme "weiblich" und der Rest ist die Regel "männlich"
  • es gibt wie z.B. im Slowenischen nicht nur Einzahl (Ez., singular, sg.) und Mehrzahl (Mz., plural, pl.), nein auch die Zweizahl (Zz., dual, dl.) wird benutzt
  • in der Einzahl haben
    • weibliche Hauptwörter meistens die Endung "-a" oder "-t",
    • männliche Hauptwörter meistens keine solche Endung
    Das Problem für mich ist nun, dass ich sehr unsicher darin bin, die hebräischen Buchstaben in lateinische zu transferieren bzw. zu romanisieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aussprache von der Schreibweise, wie im Deutschen gewohnt, abweichen kann und ich hier nicht weiterverfolgen möchte, dass es standardisierte Romanisierungen von Hebräisch in englischauszusprechende Lateinschrift gibt, denn auch in der Englischaussprache bin ich mir nicht so sicher.

    Einige Wortbeispiele hatte ich mir vom Programm ReadIt vorsprechen lassen, aber manchmal war die Vorlesung akkustisch ziemlich unverständlich, woraus auch einige Ungereimtheiten zwischen den hebräischen Buchstaben einerseits und der nichtstandardisierten Lautschrift in Lateinbuchstaben in meiner Vokabelliste (s.Beitrag v.6.11.2007) resultieren. Ich werde also nicht darum herumkommen, dass ich in diversen Vokabelvorlagen noch nach den Geschlechtsangaben nachschauen muss.
  • in der Zweizahl gibt es die Endung "-ájim" "יים"
  • in der Mehrzahl enden die Hauptwörter meistens (bis auf viele Ausnahmen) auf
    • "-ot" (weibliche Form) "ות"
    • "-im" (männliche Form) "ים"
  • manche Hauptwörter ändern ihre Selbstlaute in der Mehrzahl, wie z.B. auch im Deutschen (z.B.: "Haus" (sg.), "Häuser" (pl.)) oder Englischen (z.B.: "mouse" (sg.), "mice" (pl.)); auch im Türkischen wird Wert auf die sogenannte Lautharmonie gelegt, diese Eigenheit ist also kein Drama. Schön, dass für diese Selbstlautänderung eine Regel angegeben ist ("?" stehe hier für einen beliebigen Mitlaut, einen Konsonanten):
    • weibl. / feminin: ?a?e?et (sg.) wird zu ?a?a?ot (pl.)
    • männl. / maskulin: ?e?e? (sg.) wird zu ??a?im (pl.)
  • zusammengesetzte Hauptwörter stehen einzeln aber in einer zum Deutschen umgekehrten Reihenfolge: zu übersetzen wäre
    • das dts. Wort "Hausbau" im Israelischen mit "Bau Haus" (Eselsbrücke: "Bau (des) Hauses") und
    • das dts. Wort "Bauhaus" im Israelischen mit "Haus Bau" (Eselsbrücke: "Haus (des) Baus")
Das soll für's erste mal genügen. Teetime! (dp) (2h)

Nachtrag_1 am 12.12.2007 um 00.50Uhr:
Regeln und Gesetze müssen anwendbar sein, damit sie kein Regelspam sind. Z.B. hilft es zur Zeit wenig, auf dem Mond das Gesetz "Du sollst nicht stehlen" an einer Litfass-Säule zu publizieren, wenn da nur Gestein und Geröll herumliegt, alle Tage mal ein Meteorit einschlägt und niemand ausser "dem Mann im Mond" dieses Gesetz befolgen oder missachten kann.

Daher sei zunächst auf meine im Beitrag vom 6.11.2007 verlinkte Vokabelsammlung im PDF-Format verwiesen. Später werde ich hier einige Beispiele aus dieser Vokabelsammlung zitieren. (dp) (0,25h)

Nachtrag_2 am 12.12.2007 um 18.30Uhr:

Beispiele maskuliner Pluralformen

EinzahlMehrzahl¿ Zweizahl ?
Isomer (dts.)
איזומר
Isomere (dts.)
איזומרים
2 Isomere od. Isomerenpaar (dts.)
איזומריים ?
Isomerie (dts.)
איזומרי
Isomerien (dts.)
איזומריים
2 Isomerien od. Isomerienpaar (dts.)
איזומרייים ?
Möglicherweise wäre die Pluralform "Isomerien" schriftlich identisch mit "Isomerenpaar". So langsam erahne ich, warum in biblischen Zeiten die Schriftgelehrten so wichtig waren. (dp) (0,25h)

Nachtrag_3 am 12.12.2007 um 18.45Uhr:

Beispiele femininer Pluralformen

EinzahlMehrzahl
Problem (dts.)
בעיה
Probleme (dts.)
בעיות
Untersuchung (dts.)
חקירה
Untersuchungen (dts.)
חקירות
(dp) (0,25h)

Nachtrag_4 am 12.12.2007 um 20.25Uhr:

Beispiele zum Thema "Dualformen"

In der Praxis zeigen einige Vokabelbeispiele vom online-Wörterbuch Melingo von milon.morfix.co.il, dass z.B. (engl.:)
  • a) "glasses, spectacles" (pl.), b) "trousers" (pl.) nur in der normalen Pluralform mit der Endung "-im": a) משקפים , b) מכנסים
gebildet werden. Des Rätsels Lösung scheint wohl zu sein, dass z.B. für die deutsche Einzahlform "Brille", die hebräische Zweizahlform zu nehmen ist; möglicherweise wird im Hebräischen die Zweizahl als Sonderfall der Mehrzahl behandelt, weswegen sie vom Melingo-Wörterbuch nicht aufgeführt wird, obwohl sie in seiner Datenbank vorhanden ist.

Einige Vokabelbeispiele vom Kauderwelsch-Band "Hebräisch" und Wikipedia-Einträge dagegen zeigen, dass z.B. (dts.:)
  • a) Brille (sg.), b) Hose (sg.), c) Fahrrad (sg.) in der Dualform mit der Endung "-ajim": a) "mischkafájim" משקפיים , b) "michnaßájim" מכנסיים , c) "ofanájim" אופניים
gebildet werden. (dp) (0,5h)

Nachtrag_5 am 14.12.2007 um 10.20Uhr:
Hier steht noch mehr:

Linksammler:Bei Hauptwörtern aus der belebten Natur, die in einer männlichen und weiblichen hebräischen Form vorkommen, wird für gemischte Ensemble (Paare) die männliche Pluralform benutzt, z.B. sinngemäß:
  • 1Mann und 1Frau = Menschen (entspricht: Männer (=Plural von Mann)) oder
  • 1Junge und 1Mädchen = Kinder (entspricht: Jungen (=Plural von Junge))
Für die schriftliche Übersetzung ist die Kenntnis der Aussprache nur hilfreich aber in den meisten Fällen nicht zwingend notwendig.
Im Wikipedia-Artikel über die Numeri sind einige Hinweise zur Verstummung des 1.Vokals bei der Bildung der Mehrzahl zu finden:
  • Bei maskulinem Plural in der 1.Wortsilbe kann insbesondere der Buchstabe "waw" "ו" oftmals gegenüber der Einzahlform (Grundform) weggelassen werden.
  • Bei femininem Plural, der sich aus der Grundform (Singular) ableitet, welche mit "a" "ה" oder "at" "ת" endet, verstummt der 1.Vokal dagegen nicht.
Für die schriftliche Übersetzung dagegen ist wesentlich:
  • feminine Einzahl, die mit "at" oder "et", beides dargestellt mit dem Buchstaben "taw" "ת", endet, führt zu femininen Plural "ot", indem (rechts) vor dem "taw" ein "waw" eingefügt wird:
    "ות → ת "
  • Endet das Hauptwort in der Einzahl
    • mit "ut", so endet die Mehrzahl mit "ujot":
      "ויות → ות "
    • mit "it", so endet die Mehrzahl mit "ijot":
      "יות → ית "
  • Ausnahmen (diese muss man in Wörterbüchern nachschlagen können):
    • einige maskuline Wörter, die in der Einzahl mit "om" oder "on" enden, enden in der Mehrzahl mit der femininen Endung "ot"
    • einige feminine Wörter, die in der Einzahl mit "a" enden, enden in der Mehrzahl mit der maskulinen Endung "im"
    • einige Wörter sind total irregulär (siehe Wikipedia)
Mir erscheinen alle Schreibweisen und Aussprachen aus romanisierter Sicht reichlich unlogisch und sind ohne Fallunterscheidung schlecht zu erlernen. Vermutliche Ursache ist die Abwärtskompatibilität zum Althebräisch. Zum einen kann das "taw"
  • allein für sich entweder wie "at" oder "et",
  • mit (rechts) vorangestelltem "waw" dagegen wie "ot" oder "ut"
ausgesprochen werden. (dp) (2,5h)

Fortsetzung folgt
archiviert (tbid1838.346): (dp) 15.06.2009 (+0,1h (4navi +flagcounter +home.icon +w3c_LiCh))
Haftungsausschluss
free counters
© drpagel.de Alle Rechte vorbehalten.