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Verfasst am 04.12.2007 13:06:53 Uhr
Riesiger Lottogewinn im Jackpott (Glücks-Topf) und der Zufall

Es sind bereits viele Millionen im Jackpott angehäuft und keiner in dieser Republik hat in den vorangegangenen Ziehungen die nötigen Richtigen gehabt, damit der Gewinn hätte ausgezahlt werden können. Wenn der Jackpott bei der 14.Ziehung immer noch nicht geknackt ist, so heisst es, muss er unter den Gewinnern von 6 Richtigen aufgeteilt werden. Was wäre, wenn aber niemand sechs Richtige angekreuzt hat? Geht das überhaupt? Es brauchen nur alle Lottospieler wie abgesprochen die gleiche Zahlenkombinationen ankreuzen, dann besteht eine reelle Chance, dass der Jackpott sogar unter den Spielern mit null Richtigen aufgeteilt werden müsste, wenn dies denn so vorgesehen wäre. Was wäre, wenn Lieschen Müller die einzigste wäre, die überhaupt bei der 14.Ziehung teilnimmt?

Für mich wieder zur Erinnerung: 50% des eingezahlten Wertes wird an die Gemeinschaft aller Gewinner ausgezahlt. Doch so einfach ist es nicht. Für diverse Gewinngruppen (0 Richtige, 1 Richtige, 2 Richtige, 3 Richtige, ...) unter Berücksichtigung einer eventuellen Zusatzzahl werden diese 50% vorher aufgeteilt und erst die Anzahl der tatsächlichen Richtigtipper in einer dieser Gewinngruppen entscheidet über die Höhe des Einzelgewinnes.

Interessant in diesem Zusammenhang war die bayern-alpha-Sendung von Prof.Dr.Beutelspacher mit dem Thema 'Der Zufall' an vier Beipielen:
  • dem Würfel,
  • dem Knoten von 2 Schnüren,
  • dem Lotto und
  • dem Ziegen-Problem
Er erklärte gut verständlich das Konzept der Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten, dass der Würfel kein Gedächtnis und keinen Entscheidungswillen habe. Die Lotto-Kugeln übrigens auch nicht.

Nachgeschaut im Wikipedia-Beitrag über Spielwürfel fiel mir auf, dass das Spiel mit der Münze eigentlich auch ein Würfelspiel ist und der Würfel nicht zwangsläufig 6 Flächen haben muss. Die Münze hat nur 2 Flächen. Das Wort "Würfel" ist von "Werfen" oder von den "Würfen" abgeleitet.

Herr Beutelspacher verwies auf die Unterschiede zwischen den Möglichkeiten bei 1 und 2 Würfeln. Bei 2 Würfeln kann man z.B.
  • die Kombination für jeden Wurf bestimmen: 36 mögliche Kombinationen (nämlich: 1,1; 1,2; 1,3; ... usw. ... 6,4; 6,5; 6,6) bedeuten 36 Möglichkeiten
  • die Augensummen bestimmen (v = "vel" (lat.) = "oder" (dts.)):
    • Summe  2 = 1+1 (1 Möglichkeit),
    • Summe  3 = 1+2 oder 2+1 (2 Möglichkeiten),
    • Summe  4 = 1+3 v 2+2 v 3+1 (3 Möglichkeiten)
    • Summe  5 = 1+4 v 2+3 v 3+2 v 4+1 (4 Möglichkeiten)
    • Summe  6 = 1+5 v 2+4 v 3+3 v 4+2 v 5+1 (5 Möglichkeiten)
    • Summe  7 = 1+6 v 2+5 v 3+4 v 4+3 v 5+2 v 6+1 (6 Möglichkeiten)
    • Summe  8 = 2+6 v 3+5 v 4+4 v 5+3 v 6+2 (5 Möglichkeiten)
    • Summe  9 = 3+6 v 4+5 v 5+4 v 6+3 (4 Möglichkeiten)
    • Summe 10 = 4+6 v 5+5 v 6+4 (3 Möglichkeiten)
    • Summe 11 = 5+6 v 6+5 (2 Möglichkeiten)
    • Summe 12 = 6+6 (1 Möglichkeit)
    und wenn man die möglichen Augensummen angibt, so sind es 11 Möglichkeiten (2, 3, 4, ..., 11, 12).
Möglicherweise ist das Wort Möglichkeit verständlicher als das Wort Wahrscheinlichkeit?

Manchmal muss man lange warten, bis der Wunsch eines Glücks-Treffers in Erfüllung geht (6 beim Würfel; 6 Richtige im Lotto; Traumpartner in der Liebe). Beutelspacher erwähnte in diesem Zusammenhang, dass der Zufall eine große Rolle spielt:
  • in der modernen Quantenphysik
  • in der Evolution bei der Entwicklung der Lebensarten
  • in der Entwicklung der Aktienkurse an der Börse

Interessanterweise stand nicht zur Diskussion, ob die uns Menschen bekannten Phänomene wirklich Zufälle sind oder ob uns diese wegen unserer geistigen Beschränktheit bisher nur als Zufälle erscheinen. Wenn ich mir die Ziffern der Nachkommastellen der Zahl Pi vorlesen ließe, würde ich auch zunächst an zufällige Ziffernfolgen denken, insbesondere, wenn ich den Lesestart verpasst hätte und irgendwann während dieser Vorlesung dazugekommen wäre. Wenn man weiß, dass es Ziffern von Pi sind, wird man sie irgendwann als festgesetzte, nichtzufällige Ziffernfolgen enttarnen können.

Auch sei der Zufall kontra-intuitiv. Dies mache den großen Reiz dieser Zufallsexperimente aus, weil hier unser Bauchgefühl meist daneben liegt. Und daher der gutgemeinte Rat von Prof.Beutelspacher zur Lotto-Gewinnmaximierung:
  • keine Glückszahlen auswählen,
  • keine Muster auswählen,
  • keine Geburtstage auswählen
  • und die Zahlen so zufällig wie möglich ankreuzen
. Mein ergänzender Rat: einen möglichen Gewinn nicht in den Haushalt einplanen, denn Glücksspiele taugen nicht zum Geldverdienen (kleinlaut etwas eingeschränkt: ein ehemaliger Zeitungs-Kioskbesitzer gestand mir einst: wenn sein Geschäft nicht Lotto-Annahmestelle wäre, hätte er bereits vor Jahren die Insolvenz anmelden müssen). (dp) (2,5h)

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