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Verfasst am 01.10.2007 00:41:16 Uhr
Wanderung durchs Boxbeutelland

Gestern (30.9.2007) war mal wieder ein bisschen Bewegung angesagt. Das Wetter war so sonnig und mild. Und nur vom Anschauen von Badestränden in Illustrierten wird einem auch nicht warm ums Herz.

Als ich die Exkursion startete, hörte ich im Verkehrsfunk von einem brennenden Auto bei Seligenstadt. In diesen bis zu meiner Ankunft sich vermutlich bildenden Stau wollte ich nicht hineingeraten. Also wählte ich die Gegenrichtung. Dort wurde ein bereits 10km langer Stau zwischen Grünberg und Alsfeld angepriesen. Auch dorthinein wollte ich mich nicht einreihen. Also fuhr ich die Bundesstraße 49 über Grünberg, Alsfeld bis Lauterbach, wo die Strolche mit dem Camenbert und den verlorenen Strümpfen auf sich aufmerksam machten. Die Abzweigungen linker Hand in Richtung Schlitz sind ja schon seit Monaten gesperrt. Daran habe ich mich schon gewöhnt.

Neu war dann für mich in Lauterbach, dass kein Weiterkommen in Richtung Fulda möglich sei. An welchen Straßeneinmündungen ich es probierte, Fulda war rot überklebt. Dabei mögen die Fuldaer das rot garnicht so sehr, weil sie streng katholisch sind. "Gesperrt, frei bis Baustelle nur für Anlieger".

Die einzigste Alternative war, in Richtung Friedberg den Vogelsberg zu erklimmen. Da entdeckte ich eine Abzweigung in Richtung Rudlos. "Oh", dachte ich, "da führt doch eine Straße von Rudlos nach Wartenberg; diese Verbindung müsste gehen!" Und was war? Genau! An besagter Stelle in Rudlos war natürlich Fulda rot durchgestrichen. Also hangelte ich mich an den Hängen des Vogelsberg entlang und musste sogar die Ortschaft Schlechtenwegen, die dieser Region wohl den Namen gegeben hat, ebenfalls links liegen lassen, da kein Durchkommen in Richtung Fulda sei. Bei Lammerz endlich fand ich einen Durchschlupf in den Landkreis Fulda und auf der anderen Seite der imaginären Sperrlinie überall die Schilder, es seien die Straßen in Richtung Lauterbach gesperrt. Als ich endlich bei Großenlüder die Bundesstraße Alsfeld - Lauterbach - Fulda erreichte, staunte ich nicht schlecht über das hohe Verkehrsaufkommen aus Richtung Lauterbach (alles Anlieger?).

Nach Fulda ging es endlich auf die staufreie Autobahn, bis ich eine Hinweistafel entdeckte, auf der die älteste Weinstadt des Frankenlandes angekündigt wurde. "Hier mitten im Spessart!" dachte ich, "wo man nur Wald sieht und die Bundeswehr das Gelände umpflügt, soll eine Weinstadt sein?" Nach google-maps liegt Hammelburg noch im "Naturpark Bayrische Rhön". Also gibt es Rhönwein! Erst bei Dittlofsroda, Gräfendorf, Morlesau ist die Grenze zwischen den Naturparks "Bayrische Rhön" und "Bayrischer Spessart".

Ich erinnere mich noch gut, dass es hieß, ein Manöver finde in Wildflecken statt. Kompanieweise wurde die Kaserne geräumt und fast alle mussten mit dem Hubschrauber eine Exkusion ins Frankenland machen. Dabei fiel auch das Wort Hammelburg.

Wenn ich nun dichterisch kombiniere, denke ich, so könnte es gewesen sein: Für die Wehrpflichtigen war wahrscheinlich angesagt, ein bisschen Kostprobe von "Mutter Erde" zu nehmen und den Manöverhort gegen feindliche Eindringlinge zu sichern, während die höheren Dienstgrade eine Spähtrupp-Exkursion ins feindliche Weinstädtchen Hammelburg anbefohlen bekamen. War es nicht so? Deswegen war Hammelburg immer so beliebt?

Mein Auto parkte ich in Fuchsstadt, einem historisch wichtigen Ort, wo, wie man auf Touristentafeln aufgeklärt bekommt, ein kirchlicher Friede zwischen den ursprünglich verfeindeten Bistümern Fulda und Würzburg geschlossen worden sein soll. Genauer werde ich es irgendwann in Ruhe nachlesen. Von Fuchsstadt kann man gut durch die fränkische Saaleniederung nach Hammelburg wandern oder sich auch ziehen lassen, wie ich mit Erstaunen entdeckte. Eine ältere und eine jüngere "Damesoundso" hatten Inlineskater unter ihren werten Laufwerkzeugen und in der Hand eine Hundeleine. Der Hund, Dein Zugtier! Also nach Huski sah er nicht aus, aber vielleicht gibt es eine spezielle fränkische Rennzughunderasse "Rottfeutelboxer"? Es schien den Beteiligten soviel Spass zu machen, dass sie alle drei lieb in meine Digicam schauten, als ich sie für die Ewigkeit festhielt. "Grüß Euch Gott alle Miteinander" (Bild wird später nachgeladen).

Ja, so eine große Satellitenausstellung habe ich meinen Lebtag noch nicht erlebt. Die einen so groß wie Menschen, die anderen so groß wie Häuser. Für jeden Kunstgeschmack war etwas dabei. Während die google-maps-Karte schon neun (+ eine Neubaustelle für) Satellitenschüsseln erkennen lässt, dürften jetzt vielleicht 15 bis 30 Stück zwischen Hammelburg und Fuchsstadt zur Besichtigung stehen. Allerdings habe ich nicht nachgezählt.

Ausgeschildert ist dieses sonnig Fleckchen Erde mit "Intelsat Erdefunkstelle". Nach der Saaleüberquerung ging es noch auf den Hammelberg in die wahrhaftigen Weinberge "Zur Kanzlei", weiter durch die Altstadt zum Marktplatz mit dem schönen Brunnenbauwerk am Marktplatz, den man sogar auf der google-maps-Karte erkennen kann und dem an den prächtigen Giebelbau in Riga erinnernden Städtischen Weinkeller. Die Ortsbegehung wurde durch eine andächtige Belauschung des im dunklen "Kolpingkirchlein" einstimmig übenden Organisten (muss ich mir später mal zum Gottesdienst sein/ihr Können anhören) beschlossen. Der Fußrückweg dauerte ca. 50min bis zum Parkplatz in Fuchsstadt, immer entlang eines gut ausgebauten Radweges der vielbefahrenen Bundestraße 287 (Gemünden/Main - BadKissingen).

Gute Nacht nach Franken! (dp) (+1,75h)

Nachtrag am 02.10.2007 um 16.35Uhr:
Ich kenne mich ja mit Hunderassen nicht so aus, aber heute nachmittag habe ich in HR-Info einen Bericht über die Hunderasse "Border Collie" gehört, der seine Heimat als Hütehund zwischen England und Schottland haben, ein hochintelligentes, tobsüchtiges Tier sein soll und der den ganzen Tag bewegt werden will. Wenn es ihn in der Wohnung langweilt, soll er in der Lage sein innerhalb von 10min, eine ganze Wohnung auf den Kopf zu stellen.

Dieser Steckbrief könnte auf den fränkischen Rottfeutelboxer passen. (dp) (0,25h)
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