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Verfasst am 21.05.2007 23:26:22 Uhr
C.t., das akademische Viertelstündchen

Jetzt muss ich fast ein halbes Jahrhundert alt geworden sein und den Studienbeginn fast 30Jahre überlebt haben, um den Sinn der akademischen Viertelstunde zu erfahren. Mit "C.t." ist hier nicht die gleichnamige Computerzeitschrift gemeint, die man garantiert nicht in 15 Minuten durchzulesen schafft.

Zu meiner Studienzeit auf der Universität hat man sich darüber belustigt, es sei halt nur unter Akademikern erlaubt, sich jeweils um 15min verspäten zu dürfen. Man übertrage dies auf die freie Wirtschaft. Alle müssen pünktlich an der Werkbank sitzen, nur der Herr Akademker glänzt durch Abwesenheit und kommt wie immer 15min zu spät zu Arbeit. So war das aber nicht gedacht.

Gedacht war es so, wie unser Tanzlehrer Kurt Drolsbach gerne praktiziert (hat): die erste Viertelstunde soll der Wissensstoff von der letzten Vorlesung oder Übungsstunde wiederholt werden, z.B. soll jede(r) die Tänze frei üben dürfen. Und was machen alle? Richtig! Sie sitzen und warten auf den Anfang des Kursprogrammes. Die Studenten, die meinen, den Stoff schon zu beherrschen, durften also offiziel die 15minütige Wiederholung schwänzen (versäumen).

Diese Zeit von 15min nennt man "cum tempore" und kürzt es mit "c.t." ab. Wenn also steht, die Heilige Messe oder der Abendmalsgottesdienst fängt 20Uhr c.t. an, dann heisst das, von 20.00 bis 20.15Uhr wird noch die Orgel gestimmt, der Chor probt die Akkustik, der Pfarrer rennt durch die Gemeinde auf der Suche nach Ersatzmessdienern oder es wird zur Einstimmung ein festliches nichtkirchliches Konzert gegeben, usw. und um 20.15Uhr geht es dann zur Sache.

Um diese Wissenslücke über cum tempore wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken, läuft gerade (So. 20.05. bis Do. den 24.05.2007) eine gleichnamige Jedermann-Vorlesungsreihe von 400 mal 15min, an dem jede(r) zu einem Thema seiner Wahl sein Vorlesungstalent an der Justus-Beliebig-Universität Gießen testen kann. Es sind zur Zeit immer noch Lücken im Vorlesungsprogramm. So heisst es oft: "Spontane Beiträge oder Lesungen sind Herzlich willkommen!!!"

Und das Tolle an der Sache ist, dass man sich die Vorträge zuhause LIVE (bereits mit dem kostenlosen "basic"-Realplayer) anschauen kann. Um nicht böse Überraschungen zu erleben (o.Garantie!), habe ich extra nur die Dateiformate für den Realplayer freigegeben, welche nur vom Realplayer abgespielt werden können, auf jegliche Gratis-Spam-Downloads verzichtet und den Realplayer nicht zum Standardplayer gemacht (gebranntes Kind scheut das Feuer!)

Freund Reinhard ist z.B. vom Realplayer derart bedient, so wie ich mich gerade über den Norton-Murks auf meinem PC ärgere. Mal schaun, ob es mir gelingt, die konzeptionelle Realplayer-Stream-Ankündigung zur Veranstaltung von Herrn Prof.Dr.Spengler zu zitieren, so dass alle Unentschlossenen abwägen können, ob es für sie interessant ist, das Wagnis der Realplayer-Plugin-Installation auf sich zu nehmen.

Ankündigung von Prof.Dr.Spengler (Dauer: 2'33", Format: RealVideo, Qualität: 300Kbps, AudioKanäle: 2; s. mein Beitrag v.16.6.2007):

400 Jahre in Kurzvorträgen.

Aus Anlass des 400jährigen Universitätsjubiläums laden wir zu einer aussergewöhnlichen Aktion ein. In 100 aufeinanderfolgenden Stunden von Sonntag 20.Mai 8Uhr bis Donnerstag 24.Mai 12Uhr15 werden hunderte von Vortragenden versuchen, diese 400Jahre seit 1607 mit ausgewählten Themen abzubilden.

Ein spannendes Experiment.

Sicher keine geschichtswissenschaftlich fundierte Tagung im eigentlichen Sinne. Wir wollen die Vergangenheit der Universität der Stadt Gießen und der Welt zusammenfassen und darstellen; in einem bunten Mosaik, nicht in einem professionell gewebten Geschichtsteppich.

Es sprechen Laien ebenso wie Experten

... zu einzelnen Jahren, zu denen sie möglicherweise eine persönliche Beziehung haben. Es sprechen professionel versierte Redner ebenso wie Ungeübte. Es wird neuestes Wissen vermittelt, ebenso wie grober Unfug. Es gilt vor allem: Dabeisein ist alles!

Die Liste der festangemeldeten Vorträge

... eröffnet eine unvergleichliche thematische Breite und phantasievolle Zusammenstellung, die von ernsthaften, von ernsthafter wissenschaftlicher Tiefe bis zu humoristischer Leichtigkeit reicht. Natürlich ist Justus Liebig vertreten, unter anderem als Zeitgenosse und Lehrer Georg Büchners aber auch in der thematischen Frage: War Liebig Sparkassenkunde?

Eine Fülle der Ereignisse der Universität und der Stadt Gießen werden zusammengetragen,
  • so jung wie die Eröffnung des Mathematikums oder
  • so alt wie die Gründung des Botanischen Gartens im Jahre 1609.
  • Das älteste englischsprachige Theater in Deutschland, das Kellertheatre wird präsentiert und
  • die Frage beantwortet: Wie studierte man damals?
  • Wissenschaftlich ebenso spannend wie gesellschaftlich anrüchig: Die Toxilogie des Furzes!
Noch i',- noch immer gibt es natürlich unbesetzte Jahre. Gerade die Nachtstunden bieten noch viel Raum für Präsentation. Machen Sie mit und füllen Sie diese Zeiten mit spontanen Vorträgen zum jeweiligen Jahr, mit musikalischen Darbietungen oder vielleicht Tänzen zu einer Epoche, lesen Sie vor aus Büchern, die Ihnen am Herzen liegen. Verhindern Sie, dass Gießen zum Schlaf findet in der Zeit zwischen dem 20. und 24.Mai 2007. Mitmachen kann jeder!

Nutzen Sie die Freiheit der Lehre. Machen Sie die akademische Viertelstunde zum Ereignis!

Na, neugierig geworden? (dp) (+0,5h)
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