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Verfasst am 18.Dezember 2006, 21:51 Uhr

Der Hahn kräht nicht mehr

Es hat mich schon eine Weile gestört. Er sabberte mit geschlossenem Schnabel. Das kann ich nun garnicht ab (so sagt mein Onkel bei Hamburg). In 8Stunden war der Fressnapf bis zum Überlaufen vollgeflutet (Spuck-Napf). Hilfe, Hochwasser, Warnstufe1!

Also Hahn, Deine letztes Stündchen ist gekommen. Daraus wäre leicht noch ein Monat geworden. Gestern konnte ich ja nicht auf den Markt für Hähne und Zubehör, aber heute früh. Dort erfuhr ich, dass man ihn nur mit Hilfe eines Werkzeuges von seinem Herrensitz loslösen kann. Ich machte ein Digifoto, fuhr wieder insgesamt 12km für so einen altersschwachen Hahn, zeigte dem Sani-Boy mein Foto und ließ mich beschwätzen, mir für fast 6EURO Lehrgeld so einen Standhahn-Mutterschlüssel von L.S.R. Werkzeughandel GmbH&Co.KG, 42499 Hückeswagen ( http://www.profistar.de ) zu erstehen.

'Lieber gebe ich jetzt nur 16%MWSt aus und kaufe mir Schrott oder Spielkram als für 19%MWSt etwas Praktisches', dachte ich. So war es dann auch. Zuhause zeigte sich, dass mit dem Werkzeug vielleicht Omas Nase oder Fritzchens Lauscher zu verdrehen gehen, aber nicht die Gegenmutter vom Gewindehals des Hahnes. Da hätte ich echt alt ausgesehen, wenn ich deswegen im Sani-Fachhandel mir erst ein Gerät nach Katalog hätte bestellen müssen. Es ging ja in dem engen Sitzunterseite noch nicht mal die Halsweite mit der Schieblehre zu bestimmen. Ich hätte da erst einen Knetgummi oder Gipsabdruck von machen müssen, um die Weite des Halses oder die Schlüsselstärke der Feststellmutter zu ermitteln.

Tief Luft geholt! Die Mutter konnte man leicht mit der Hand lösen. Dankgebet an den einen Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, alle Heiligen und die es noch werden wollen.

Derweil tröpfelte der Hahn nicht mehr, dafür aber die Lecks der lockeren Verbindungsstücke. Und der nächste Hahn wartet schon morgen auf seine Erlösung. Den hat einer der Vormieter mal überdreht, d.h. ich kann ihn beliebig oft in mindestens zwei Richtungen drehen; er hat quasi eine Schließmuskellähmung. Also musste ich den Zwischenhahn für die gesamte Steigleitung zusperren. Da der aber Kalk zwischen den Dichtungslippen hat, war die Trinkwasserader nicht abzudichten, ein Eimer schnell vollgetröpfelt. Also weiter an den Haupthahn neben der Wasseruhr.

Wer mich heute oder morgen besuchen will, bringe einen Kanister Trinkwasser mit, sonst muss mein lieber Gast dürsten. Denn bevor der zweite defekte Hahn in Serie nicht ausgebaut ist, kann ich zur Not auch keinen Stopfen in das Leitungsende schrauben, damit ich die anderen Trinkwasserspender wie Boiler und Dusche wieder in Betrieb nehmen kann.

Und da das noch Bauserie "letztes Jahrtausend" ist, betrifft es alle Etagen. Meine lieben Mitbewohner, fahrt doch alle mal auf den Weihnachtsmarkt und gönnt Euch ein Glühweingelage. Derweil ist mein Eisbein aus dem Markt so kalt wie mein toter Hahn. Aus Pietät lasse ich ihn heute mal im Waschbecken (Spucknapf) liegen. Gute Nacht! (dp)

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