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Verfasst am 06.10.2005 19:14:40 Uhr
Ist heute irgendwo Feiertag?

Mein Deutschlehrer hätte unter diese Geschichte geschrieben: mangelhaft, Thema verfehlt! Aber Kunst ist etwas anderes. Heute habe ich mich beim Schreiben dieser Storie gefühlt, wie am Feiertag.

Dabei fing dieser WerkTag feiertagsunüblich wie immer sehr früh an. Nach Absolvenz meines Nachtjobs musste morgens mein Vehikel zur AU und HU gebracht und deswegen mal die Busfahr-Tageskarte ausgenutzt werden: Ich hätte wie auf meiner Urlaubsreise auch einen Vor- und Nachverdauungsspaziergang machen oder die Wege quer durch Wetzlar (wie auf meinem langen Marsch durch Kassel) nur per pedes erledigen können, aber heute wollte ich mich bedienen lassen. Also ging ich lieber 500m bergab zur drittletzten Haltestelle, um mich dann 1000m bergauf zur öffentlich zugänglichen Personalkantine einer Klinik fahren zu lassen. Dort gönnte ich mir ein Menü Königsberger Klöse mit Kapernsoße (sehr lecker). Dabei lies ich mir von einem 86jährigen 100% behinderten 2.Weltkriegsveteran Kriegsgeschichten von seinem Russland-Feldzug bis jenseits der Krim und Steiermark erzählen:
  • die Kriegsgegener liessen sich eher erschiessen, als das sie aus ihren Erdlöchern kamen.
  • Wir hatten einen Spieß, der lies zum Kleiderappell antreten. Dann bekamen wir eine Salve russisches Arteleriefeuer und ...
  • Den Taschendieb haben wir auf der Kommandantur abgeliefert, der klaute danach nicht mehr.
  • Die Wachmanschaft im feindlichen Tanklager in Richtung Stalingrad spielte gerade Karten, als unsere Laster vorfuhren. Denen bleib vor Schreck der Mund offen.
  • Dann kamen die Jäger mit ihren MG's. Einem LKW-Fahrer rasierten sie seine Mütze und sein Kopfhaar weg, so dass die Soldaten vor Galgenhumor ihn auslachten, nun brauche er nicht zum Friseur.
  • Lautsprecherdurchsage wohl im Radio oder wo sonst auf deutsch: "Wir wünschen den heimkehrenden Truppen eine gute Erholung an der Cote Azur" und anschließend habe dann das russische Sperrfeuer den deutschen Truppenabzug aus den Winterstellungen zum Erliegen gebracht.
  • usw...
Gerne hätte er an seinem Lebensabend noch mal Kontakt mit den von deutschen Truppen besetzten Orten aufgenommen, er wisse aber nicht, wie die heutigen Verwaltungen das auffassen würden.

Die beinahe letzten Urlaubsfotos von meiner Italien-Istrien-Tour habe ich abgeholt und endlich die zu weissende Zimmerwand geweisst und dabei fast nichts verkleckert. Jetzt kann es sogar hinter dem Nachtspeicherofen regnen, so gut soll die Farbe halten; oder warum sollte ich für 1,5m² einen neuen großen Eimer Innenfarbe holen, wo ich noch ganze Garagenwände mit Außenfarbe streichen könnte, wenn ich Lust dazu hätte. Der Eimer verspricht mir, die Farbe sei weiß / matt und in der Tat sieht man bei genauem Hinschauen den leichten Unterschied. Aber durch dieses Augentraining geschult fällt mir auf, dass die Fläche hinter dem zweiten Nachtspeicherofen auch wohl schon jahrelang nicht mehr geweisst worden war.

Die AU und HU hat das Auto abgesegnet. Bin heute mal von einer Frau Busfahrerin gefahren worden: warum sollen diese starken Geschöpfe diese Riesenfahrzeuge nicht auch so gut wie die schwachen Männer lenken können, die Schaltautomatik macht es doch möglich. Ausserdem bekommt die Powerfrau mal ein Gefühl für ihre eingebildete Stärke, wenn sie dieses teuere Gerät nicht gegen den Baum fahren will. Interessant fand ich ihr Verhalten: immer wieder hat sie an der Haltestelle mit dem Mobilfon geredet (mit ihrem Freund, einem anderen Busfahrer? ganz im Sinne des Vorurteils!) und sich andauernd nervös gekratzt. Ich glaube die braucht etwas mehr Nachtruhe, wie ich jetzt. (dp)
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