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Verfasst am 23.05.2005 07:35:25 Uhr
Mein Projekt Hochmoorbeet Wetzlar

[Waldheidelbeer-Keimlinge-NahaufnahmeFoto_mit_Stativ,23.5.2003by Dr.Detlef Pagel,Wetzlar]
Keimlinge von Waldheidelbeere / Vaccinium myrtillus
[geschärftes_Rauschbeer-Keimlinge-NahaufnahmeFoto_mit_Stativ,23.5.2003by Dr.Detlef Pagel,Wetzlar]
Keimlinge von Rauschbeere / Vaccinium uliginosum

[Wollgras-Foto,19.5.2005by Dr.Detlef Pagel,Wetzlar]
Manche werden sich verwundert fragen, was das in Wetzlar soll? Mitten in einer großen Kleinstadt mit Sonderstatus (bei ca. 50000 bis 54000 Ew.), einer Stadt der Optik (Leica, Zeiss-Hensoldt, Will), der Schwerindustrie (Buderus, Edelstahl), der Software-Schmiede und Elektronikindustrie (Philips, Siemens-VDO), der Behörden (Stadtverwaltung, Kreisverwaltung, IHK, Handwerkskammer), der Schulen und einer Zweigstelle der Fachhochschule Gießen-Friedberg, der Festspiele, des Austragungsortes der Weltmeisterschaft im Paartanzen am 03.September 2005 in der neuen Arena, einem Handball-Bundesliga-Verein (nachdem er diese Woche wieder verloren hat, frage ich mich: "wie lange noch?"), eine globalem (Evangeliums-)Rundfunk und vielem, was ich leider nicht alles aufzählen kann, ein künstliches Hochmoorbeet anzulegen.

Wenn man alte Berichte liest, so waren früher in dieser Gegend auch Blaubeeren bzw. Waldheidelbeeren bzw. Bickbeeren heimisch. Zeugen aus dieser Zeit sind noch Regionen wie der "Heidelbeerberg" bei Butzbach, der tatsächlich so heisst und wo noch schützenswerte Restbestände zu finden sind. Da aber im Rahmen der Industrialisierung, die der Region um Wetzlar lange Zeit Wohlstand brachte, schöne Wege, Kanalisations-, Rohr- und Kabelverlegungs-Erdarbeiten mit Kalkstein-Schotterung stattgefunden haben, - denn auch ein Kalksteinbruch ist hier ein stabiler Wirtschaftsfaktor (heute Heidelberg-Zement) -, sind im Laufe der Jahre bis auf Restbestände diese Wildformen der Heidelbeeren ausgestorben.

[Basaltweg-Foto,26.5.2005by Dr.Detlef Pagel,Wetzlar]
Wir haben hier zwar einen Hausberg "Stoppelberg", der klimatisch geschaffen wäre, diese gesunde Beerenart zu beherbergen, aber bekanntlich läuft das Wasser immer den Berg herunter und es fehlt die sumpfige oder dauerfeuchte Komponente. Ausserdem liegt dort Basaltgestein (Bild rechts unten), und wie der Name vermuten lässt, erzeugt dieses wohl kaum einen sauren Boden.
(Die Bedeutung der Namen 'Stoppelberg' (401 m ü.NN mit Aussichtsturm und Vodafon-Sendemast, in Wetzlar) und 'Stoppelsberg' (524m ü.NN mit der Burg Hauneck, in Haunetal) ist 'Felsen' aus dem althochdeutschen 'Stouf')

Auch werden heutzutage im Rahmen der Schutzmaßnahmen gegen die Versauerung von Waldböden mit Hilfe der Unterstützung durch Luftfahrzeuge (siehe auch luftFahrt-bundesamt) kalkhaltigen Mittel auf den Waldboden gebracht. Und Kalk ist Gift für diese empfindlichen Pflänzchen. Vaccinium-Spezies mögen eine Symbiose mit Bodenpilzen, die wohl insbesondere die Buchenblätter oder Holzteile anderer Laubbaumarten wieder in ihre biologischen Komponenten zerlegen, denn scheinbar sind sie genetisch wie wir Menschen vom Vitamin C von dieser Lebensgemeinschaft abhängig, weil ihnen sonst Nahrungskomponenten zum guten Gedeihen fehlen. Wenn man in die relativ zur Wiese dunklen Wälder geht, glaubt man immer, diese Waldheidelbeeren sind Schattenpflanzen (manchmal findet man noch solche Literaturbeiträge). Wenn man aber genauer hinschaut, wachsen sie wild gerne an Lichtungen oder freien Feldern (Kahler Asten) oder auch in hellen Birkenwäldern (Rotes Moor i.d. Rhön bei Gersfeld). Auch wusste ich früher nicht, dass sie Lichtkeimer sind. Waldheidelbeeren in die Erde stecken und hoffen, dass daraus was wird, da hilft kein Beeten!

Also habe ich mich wegen der hohen Marktpreise und der schnellen Verderblichkeit gekaufter Waldheidelbeeren erbarmt, mitten in Wetzlar ein Hochmoorbeet anzulegen. Nachdem ich vor zwei Jahren im Glutsommer 2003 einige Pflänzchen nicht vor dem Exitus habe retten können, hat meine Lebensgemeinschaft von Moor- und Heidepflanzen jetzt einen Sommer und zwei Winter überlebt und ich werde irgendwann dieses Beet vergrößern müssen. Da lief mir doch zufällig eine Frau mit Wollgras im Einkaufswagen in einem Wetzlar Baumarkt über den Weg, und da meine Saat aus der Rhön bisher nicht aufgegangen ist, beschloss ich, noch die letzte käufliche Pflanze Wollgras für mein Projekt zu erstehen (Bild rechts mitte).

Erstmals habe ich diverse Waldheidelbeeren aus unterschiedlichen deutschen und europäischen Regionen ausgesät und siehe da, sie sind aufgegangen (Bild oben links). Sogar von der mir nur aus der Rhön bekannten Rauschbeere (Bild oben rechts), die lange unter Giftverdacht stand (daher auch der Name) und nach letzten Erkenntnissen (wohl un-)gerne selbst von einem giftigen Schadpilz befallen wird und eigentlich ungiftig sei, sind Keimlinge aufgegangen. Leider kommt man mit der DV4000 nicht näher als 30cm an die Saatprojekte zum Fotografieren heran, so dass man die Keimlinge nicht richtig auf dem Foto erkennen kann (neues Foto am 19.6.2005). Da die automatische Scharfeinstellung versucht, den der Kamera näheren Topfrand zu fokussieren, werden die hinter der Bildebene wachsenden Keimlinge unscharf wiedergegeben. Die Keimlinge werden hoffentlich größer und irgendwann kann ich vielleicht welche an meine Freunde abgeben. Bin mal gespannt, was daraus wird: Heidelbeeren aus Wetzlar? Ob ich das noch erlebe? Eher erlebe ich noch einen Infarkt wegen der unterschiedlichen Bildanordnungen beim I.E. und Mozilla.
(dp)
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