Verfasst am 16.04.2005 12:25:59 Uhr Ehre wem Ehre gebührt beim italienischen Kartenspiel Scopa Ich nenne die Örtlichkeit einfach mal "Da Toni": Wir, mein Freund und ich, trafen uns heute bei "Da Toni" zum Pizzaessen. Er erzählte mir, dass er gestern in einem anderen Lokal zweimal nicht das bekam, was er eigentlich haben wollte, aber Schwamm darüber. "Und erzähle mir doch mal einen Schwank aus Deiner Jugend!" Inzwischen bekamen wir auch schon die bestellten Getränke und ließen es uns gut schmecken. "Was gibt es da viel zu erzählen? Vorwärts schauen heißt die Devise. Wer dauernd rückwärts schaut, wird nicht erst alt, nein der ist es schon." Und inzwischen bekamen wir den leckeren Salat mit etwas Vinegrette, wirklich lecker was "Toni" alles so kulinarisch zaubern konnte. "Prego!" Es war ein wahrer Muntermacher und sehr gesund. Und als es an der Zeit war, uns die Pizza zu servieren, wurden wir auch freundlich gefragt, ob wir denn auch die Pizza bestellt hatten. Natürlich hatten wir. Denn - unter uns - der Salat war garnicht für uns Hungermäuler, sondern für den Nachbartisch. Das arme Pärchen wartete schon ziemlich ungeduldig auf ihre Vorspeise. Nun wurde auf die Schnelle noch eine Salatportion "fabricio-niert". Während wir uns über die Pizza hermachten, hörte ich schon wieder Klagen vom Nachbartisch, es seien gefüllte Tortellini als Hauptgericht bestellt worden und ER hatte nur ungefüllte Trotellini bekommen. Ob der Koch oder Kellner wohl frisch verliebt ist? Es ist doch schon wieder Frühling. Nun, alle Gäste wurden irgendwie von "Toni" zufriedengestellt und wir hatten auch die Extrasalatportion bezahlt. Während mein Freund gerade sein Bier wegbrachte, fragte ich "Toni", ob er denn das italienische Kartenspiel "Scopa" kenne. Ei, so schnell hab ich noch kein Gesicht in tiefschwarzer Nacht sich aufhellen gesehen wie jetzt. Unbedingt musste ich mit ihm noch eine Partie spielen, obwohl ich keine Spielregeln mehr kannte. Ich hatte das Spiel einmal auf dem Fährschiff von Palermo nach Genua mit drei Student(inn)en aus München gespielt. Jahrzehnte ist es her. Lange hab ich mir den Kopf zerbrochen, wie man "scopa" auf deutsch übersetzen könne. Das Wörterbuch liefert mir Kehrbesen, eine Internetseite (http://www.timparks.co.uk/G16.html) übersetzt das Wort in einem anderen Zusammenhang »Tua madre è una puttana, scopa con tutti!«. Wahrscheinlich hat es etwas mit verkehren, 'geselligen Umgang haben' oder auch 'Spielkarten abräumen' zu tun. Gespielt wird zu zweit oder zu viert. Nachfolgend hier die mündlich überlieferten Spielregeln (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit): Jeder Spieler erhält 3 Karten pro Spiel. Zu Spielbeginn werden 4 Karten offen auf den Tisch gelegt (Auslage). Der Spieler im Uhrzeigersinn rechts vom Kartengeber fängt an. Wer gerade am Zug ist, schaut, ob er auf der Hand eine Karte hat, deren Wert gleich dem Wert einer ausliegenden Karte oder dem Gesamtwert mehrerer ausliegenden Karten ist. Wenn ja, darf er diese Auslage-Karte(n) und diese Handkarte, mit der er sie "gestochen" hat, nehmen und bei sich ablegen; er hat dann einen sogenannten Stich gemacht und im Falle von mehreren Karten könnte man sagen, er hat sie weggeschaufelt, was wohl die "Kehr"-Bedeutung von Scopa wiedergibt. Hier ein Beipiel: Hat man eine "6", so kann man damit einen Stich machen, wenn man vorhandene Werte mit einem gleichen Wert "bezahlen" kann, also sich entweder eine andere "6" holt oder aber zwei Karten mit dem Gesamtwert 6, also entweder "1 und 5" oder "2 und 4" oder aber "3 und 3". Man kann auch "2 und 2 und 2" oder "1 und 2 und 3" holen. Mit höherwertigen Karten kann man auch noch mehr Karten gleichzeitig abräumen. Kann man keinen Stich machen, muss man eine seiner Handkarten - möglichst mit dem niedrigsten Wert - in die Auslage dazulegen. Wenn eine der Handkarten ausliegt, darf man jedoch nicht nach belieben sich eine Kartenauswahl abräumen, sondern man muss bedienen; liegt im obigen Beipiel eine "2" und "4" und "6" und "Dame" aus, muss man sich die "6" mit der "6" holen. Wie beim Skat, so gibt es auch hier vier Spielfarben (Kartenserien), aber mit anderen Symbolen. Eine Spielfarbe trägt eine "Golddukate". Auf manchen Karten sieht diese wie ein Poststempel oder Hemdenknopf oder Schützenfest-Pokalteller aus. Das ist die wichtigste Spielfarbe. Sie ist mit dem Kreuz beim Skatblatt vergleichbar. Die andere Spielfarbe trägt einen Kelch, die dritte eine Keule und die vierte ein Schwert. Vermutlich in dieser Reihenfolge nimmt auch die Bedeutung der Spielfarbe ab. Diesem alten volkstümlichen Spiel ist ein im Internet beschriebenes modernes Kartenspiel unter der Bezeichnung "Gelb gewinnt" nachempfunden. Spielkarten ohne menschliche Figuren sind: 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7. Probleme habe ich als Anfänger, die menschliche-Figuren-Spielkarten zu unterscheiden:
Es werden am Schluss der Runde die gewonnenen Spiele mit Punkten gewertet. Jeweils einen Punkt erhält, wer die meisten Karten abgeräumt hat, wer die "Golddukaten-Karte 7" (Joker-Funktion) hat und wer die meisten Golddukaten-Karten (ohne Joker "7") hat. Gelingt es einem Spieler, alle Karten auf dem Tisch (Auslage) abzuräumen, erhält er einen Bonuspunkt. Zur leichteren Kontrolle für das spätere Punktezählen wird diese StichKarte in der Ablage des Spielers offen hingelegt, die übrigen Karten im allgemeinen verdeckt. Irgendwann werde ich hoffentlich die Regeln begriffen haben. "Toni" drohte auch schon siegessicher damit, ich solle beim nächsten mal alle meine Wertgegenstände mitbringen. Spielschulden sind ja schließlich Ehrenschulden. Ehre wem Ehre gebührt. Gute Nacht oder wie man italienisch sagen würde: "no e poi no" (dp) ![]() Nachtrag verfasst am 25.6.2005 um 21:30 Uhr: Verlinkung mit einer pizza-Dienst-Suchseite Besonders geehrt kann man sich fühlen, dass nach redaktioneller Prüfung der Link meines Kommentares vom 24.05.2005 12:51Uhr auf diesen meinen Weblog-Eintrag in die Kommentarsammlung von http://www.pizza.de übernommen wurde. Molto grazie. (Lokalität und Kommentarsammlung im Feb.2009 inexistent) Nachtrag verfasst am 11.01.2007 um 14:10 Uhr: Inzwischen (seit 18.12.2006) gibt es diese Pizzeria nicht mehr. Hier noch ein letztes Erinnerungsfoto von einem Gast (hinten links geht es in die Küche): Die Pacht war zum 31.12.2006 abgelaufen. Wegen unbefriedigender hygienischer Zustände im Vorratskeller wollte das Pächterehepaar schon früher aus dem Pachtvertrag heraus, was der Eigentümer aber nicht wollte. Jedoch war der Eigentümer in der Lage, kurz vor Weihnachten dem Gesundheitsamt einen Tipp darüber zukommen zu lassen. Der 7.Sinn des Pächterpaares bewahrte es jedoch vor Schlimmeren, als plötzlich in der Woche vor Weihnachten unangemeldet ein Vertreter des Gesundheitsamtes bei der fast leer geräumten Pizzeria auftauchte und resigniert feststellte, er könne nichts mehr tun, da das Ensemble kein Gastraum mehr darstellt. Ein Hauch von Gehässigkeit ist das Letzte, was einen an die schönen Stunden erinnert.(dp) archiviert(tbid136.12): (dp) 26.11.2008 (+0,5h (+Keywordsort. +flagcounter +emoticon +home.icon)), 29.12.2008(+0,25h (UL-Liste)), 01.02.2009 (+0,1h +.. (+4navi +w3c_LiCh)), 21.7.2010(+0,03h(-validome.org+w3c_HTMLch)) | ||||||