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Verfasst am 05.02.2005 23:48:40 Uhr
Testbericht eines frustrierten Digital-Enthusiasten / Teil1

Neulich schenkte mir mein Freund eine seiner innig geliebten Digitalkameras. Wo die ganze Welt "geil auf" DigiCams ist, sollte ich einmal versuchen, eigene Erfahrung über diese Wunder-Knipsys, die oft schon in Handys eingebaut sind, zu sammeln und seine Erfahrung in diesen Dingen aus meiner Sicht erweitern. Nun fiel sofort ins Gewicht, dass solche Geschenke, wie sie auch von Mobilfunk-Betreibern und anderen großen Firmen vor Einkaufszentren verteilt werden, immer Kosten nach sich ziehen. Da war zunächst der Akku leer und schon irreversibel defekt. Auf die Schnelle taten es auch zwei AA-Batterien, jedoch verhalfen sie mir nur zu den ersten 45 Aufnahmen. Dann war Exitus.

Also frisch ans Werk, dachte ich völlig unerfahren, und begann vor einer Woche mit dem Projekt "Erforschung der (Un-)Fähigkeiten einer JD350" von Jenoptik in Jena, Germany. Neben der Linse prangt - fasst würde ich eine mir unheimliche Ahnung vorwegnehmen wollen - in fetten Lettern die Aufschrift "BIOTAR LENS F3.5". Dieser ebene Linsentyp soll schnell-bewegte Aufnahmen und damit kurze Belichtungszeiten ermöglichen, und die braucht man ja bei so einer Kamera im Zigarettenschachtelformat, wenn man nichts verwackeln will.

Wollte man mit Hilfe von etwas Fotografenlatein die Gebrauchsanleitung übersetzen, so würde man erkennen, dass mit einer völlig verdreckten Linse keine scharfen Akte zu fixieren gehen. Die erste Enttäuschung - völlig unscharfe Bilder von heißen Szenen - lies sich bald aufklären. Es war nicht das deutsche Datenschutzgesetz, was verbietet, dass auf den zu veröffentlichenden Fotos von Unfallautos bitte schön die Nummernschilder unkenntlich zu machen seien, nein, ein schmieriger Film klebte trotz der Gebrauchsanleitungs-Warnung auf der Linse. Mit etwas, in Apotheken ohne Rezept erhältlichem, Iso-Propanol ließ sich die Linse säubern. Aber, oh Schreck: nachdem die Kamera wieder aus dem Sch(m)utzetui gezogen worden war, war die Linse wieder verschmiert. So kann's ja nix werden mit guten Bildern. Seit dieser ersten Erfahrung ruht zwischen dem Etui-Filz und der Kamera-Linse ein handelsübliches WC-Papier Marke "softsauber" und muss ab und zu mal erneuert werden.

"Jetzt geht's los!" singt die Karnevals-Göre gerade (anno 2005) im Radio. Na denn! Es gibt da ein Problem. Wenn der liebe Weblog-Leser, die liebe Weblog-Leserin mir nicht direkt gegenüber meines Computertisches hinter dem Desktop sitzt, sondern etwas weiter im Internet entfernt, so dass ich also meinen Augen-Blick über den geschulten Brillenrand zum Horizont der Unkenntnis streifen lassen muss, dann stelle ich fest, werden die entfernten Objekte nicht deutlicher. Da hat das Linsenputzen also nichts geholfen. Die seit einiger Zeit bei PC-Software-Spezialisten übliche objektorientierte Programmierung scheint hier noch keinen Eingang gefunden zu haben. Man geht wohl davon aus, dass der verliebte DigiCam-Enthusiast sich auf Nahaufnahmen beschränken und seinem/seiner Liebsten schöne Nahkampf-Szenen und keine langweiligen Blicke ins ewig gleiche Universum zeigen will.

Da kam mir eine umwerfende Idee: Es muss doch ein Entfernungssensor derart unsymmetrisch in der Kamera plaziert sein, dass ihm gelingt, den mich momentan nicht interessierenden Vordergrund scharf zu stellen und den Hintergrund unscharf zu lassen. Bedenke, auch in der übernächsten Nachbarschaft laufen noch hübsche Geschöpfe Gottes herum, die gerne scharf abgelichtet werden wollen. Also ergab die zweite Erfahrung, bessere Bilder mit unendlich entferntem Hintergrund erhält man, wenn man die Kamera bei der Aufnahme auf den Kopf stellt. Die Entäuschung, mal nicht auf die ungeputzten Schuhe meines Nachbars schielen zu können, sondern hinauf zu den auch ganz netten Wolken am Firmament, diese Enttäuschung ist für den Entfernungssensor der JD350 keine schwere Unbill.

Da hab ich aber jetzt was angedacht: Wolken am Firmament. Wie herrlich kann das sein. Eine tolle Ergänzung zu meinen Internet-Wetterseiten: ein selbstgemachtes Foto von einer Wolke. Ein Traum könnte Wirklichkeit werden. Und schon war die Szene geboren. Am Samstag Nachmittag, dem 05.Februar 2005 ging die Sonne am Horizont im Südwesten über dem Hunsrück in einer feuerroten Kugel unter. Das musste einen tollen Schnapschuss geben. Ich fuhr ins nahegelegene Einkaufszentrum, mich mit dem für's Wochenende Nötigsten einzudecken, und eine Viertelstunde später war das tolle Himmelsfarbenspiel da: rote Wolken vor blauem Himmel, ein Kontrast wie von Mutter Natur nicht perfekter zu kreieren. Gleich die DigiCam zur Hand und "knips und fertig".

Denkste! Der Himmel auf diesem Foto sah taghell, fast weiß in der Mitte aus, die Autos waren vor Dunkelheit kaum noch als solche zu erkennen. Höre ich gerade den Einwand der Saale-Franken: ein Bildbearbeitungsprogramm hat doch jeder Computer-Friek, der etwas Gutes aus seinen Aufnahmen machen will? Denk ich: heiß ich Friek? Später fällt mir bei einem badischen Rotwein ein, ja ich muss es mal mit Photostyler2.0 probieren (Gerücht: die Firma, welche Photostyler erfunden hat, soll es (auch) nicht mehr geben?). Das Ergebnis meiner Bearbeitung hab ich zur Dokumentation abgebildet:

[Foto]
Es zeigen die Bilder: links die unbearbeitete Aufnahme, in der Mitte die gleiche Szene mit Hilfe von Farbton-Sättigung (+50% rot; statt des weißen Zentral-Fleckes muss man sich eine rote Wolke ungefähr von dem Farbton, wie es Wolkenfetzen am Bildrand erahnen lassen, dazudenken) und rechts die Szene mit Hilfe von automatischer Farbkorrektur (als Trost). Also mein Freund meint, der weiße Fleck in der Bildmitte rührt wohl von dem enttäuschten Entfernungssensor her, der irgendwie in die Linse integriert sein soll und bei fehlendem Streulicht die feuerrote Wolke vor der lichtempfindlichen Schicht abschirmt. Andere Internetseiten berichten von einem Astigmatismus, der bei ebenen Linsen wie dem oben beschriebenen Typ nicht zu vermeiden ist. Astma hat doch was mit Krankheit zu tun? Aber jetzt wird gefeiert, wir haben doch Fasching.

HELL-auu, au au.... [emoticon]
(dp)

Fortsetzung folgt
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